Bauhaus-Universität Weimar

Tachistoskopisclie Untersuchungen über das Lesen. 427 
setzmäßigkeit gegründet werden, da die Variation dieser Lage in 
keiner Beziehung zur Geläufigkeit der Wortbilder steht. 
Gewiss trägt die Erweiterung des Buchstabenbestandes auch zur 
Feststellung des dominirenden Complexes hei, aber die instantané 
Wirkung des letzteren auf die Auffassung hat mit der zeichenweisen 
Constatirung der Buchstaben nichts zu schaffen. Wenn überhaupt 
eine Gesetzmäßigkeit besteht, so ist es diese. 
Die Wortbilder werden nur erkannt, wenn ihr dominirender 
Buchstabencomplex appercipirt worden ist. In welcher Exposition 
auch die Erkennung des dominirenden Complexes stattfinden mag, so 
ist diese doch nicht mit den Buchstabenbeständen der vorhergehenden 
Expositionen zu confundiren. Die Erkennungsexposition schließt 
einen Akt für sich ein, der auch bei den geläufigsten Wörtern nach 
den verschiedensten Malen von Expositionen eintreten kann. Jene 
Expositionen, bei denen nur einzelne Buchstaben oder Bestände fest¬ 
gestellt werden, sind belanglos gegenüber der Feststellung des domi¬ 
nirenden Complexes. Da mit dessen Bedeutung die Zahl der Expo¬ 
sitionen nicht in Beziehung gesetzt werden darf, bildet letztere auch 
keinen Gradmesser der Geläufigkeit. 
Die Expositionsfolgen verdeutlichen nur das optische Wortbild, 
mit den Bedeutungsvorstellungen selbst haben sie nichts zu schaffen. 
Die Apperception des optischen Bildes ist an die Folge der Expo¬ 
sitionen gebunden, die Apperception der Bedeutung an den domi¬ 
nirenden Complex. Zwischen dem letzteren und der Bedeutungs¬ 
vorstellung herrscht eine directe Beziehung, ebenso wie zwischen den 
Expositionen und dem Bild. 
Zwischen den Expositionsfolgen und dem dominirenden Complex 
besteht keine unmittelbare directe Beziehung, kein nothwendiger, son¬ 
dern nur ein zufälliger Zusammenhang. Darum kann die Zahl der 
Expositionen nicht mit dem dominirenden Complex in Rechnung ge¬ 
setzt werden. 
Eine weitere Discussion erfordert die Expositionszeit. Sie ist 
eine rein physiologische Zeit, eben die Zeit, die zur Netzhauterregung 
erforderlich ist, wozu dann noch eventuell die Dauer des Nachbildes 
hinzukommt. Sie ist für die verschiedenen Beobachter verschieden, 
bleibt aber für ein und denselben Beobachter in geringen Grenzen 
(von höchstens 5 a) constant. Sie variirt zwischen 6 und 20 a für
        

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