Bauhaus-Universität Weimar

Tachistoskopische Untersuchungen über das Lesen. 
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verengerte sich der Aufmerksamkeitsumfang hei L. auf die Hälfte 
bis ein Drittel der vorher gesehenen Zeichen. 
II. Bei Versuchen mit sinnlos zusammengesetzten sinnvollen ge¬ 
läufigen Silben von je 3—4 Buchstaben zeigt sich der Einfluss der 
Assimilation darin, dass die in der Zusammenfassung einen Sinn er¬ 
gebenden Silben sofort zu Assimilationscomplexen zusammengefügt 
werden; zu dieser Configuration ist aber unbedingt eine 'Wortassimi¬ 
lation nöthig; tritt diese nicht ein, so fällt nicht nur der Complex, 
sondern fallen auch die Silben in frei aneinanderhängende Buch¬ 
stabenelemente auseinander. Ganze Reihen von Buchstaben schwinden 
wieder aus dem Bewusstsein, ohne aufgefasst worden zu sein. Buch¬ 
staben, die sich nicht in ein sinnvolles Schriftbild deponiren können, 
werden entweder sofort wieder vergessen, oder sie ragen einzeln, zu¬ 
sammenhangslos aus dem Riff von Sinnlosigkeit, das sie als domi- 
nirende Elemente krönen. 
In welchem Grade die geläufigen Silben die Auffassung trotz¬ 
dem erleichtern, zeigte schon die Erhöhung des Aufmerksamkeits¬ 
umfangs. Aber auch hier sagen die Beobachter noch häufig aus, 
sie hätten die Buchstaben wohl gesehen, aber sie hätten sie vergessen. 
Wenn sie unmittelbar nach der Exposition glauben, sie hersagen zu 
können, im nächsten Augenblicke ist ihnen schon die Hälfte ent¬ 
schwunden. 
Als Beispiele solcher sinnloser Silbenverbindungen seien an¬ 
geführt: 
zigpasamheit 
12 
wigaramhaut L. 
7 (11) 
halschreitahl 
13 
schreibtafel D. 
9(12) 
lencurbilber 
12 
losverkungwei 
13 
lecurhilder A. 
10 (ll) 
losverkungswei Dr. M. 
13 (14) 
HI. Die Exposition ungeläufiger Wörter, von denen voraus¬ 
gesetzt werden konnte, dass sie den Beobachtern unbekannt waren, 
ergab eine überraschende Beziehung zur vorhergehenden Versuchs¬ 
reihe von sinnlosen Silben.
        

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