Bauhaus-Universität Weimar

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Julius Zeitler. 
Weiterhin gibt es ganze Reihen von der Buchstabenzusammen- 
setzung nach analogen Wörtern, die durch Abänderung eines Buch¬ 
staben an derselben Stelle heterogene Bedeutungen durchlaufen. Die 
Symbole der Schriftbilder erhalten durch eine solche Abänderung 
einen ganz verschiedenen Bedeutungsinhalt. Damit die neue Bedeu¬ 
tung eines derartig geänderten Wortbildes erkannt werde, muss der 
Buchstabe festgestellt werden, d. h. es muss buchstabirt werden. 
Geschieht dies nicht, so setzt die Assimilation immer wieder das alte 
Wortbild ein und mit ihm die alte Bedeutung und kommt nicht zur 
Auffassung des neuen. 
Weiterhin kommen hier jene Fälle in Betracht, in denen der 
Beobachter zwar Buchstaben appercipirte, aber nicht den Sinn des 
Wortbildes. Auch wenn objectiv ein sinnvolles Wort gegeben war, 
so wurde doch häufig subjectiv eine sinnlose Buchstabenreihe auf¬ 
gefasst. Die dominirenden Buchstaben wurden dabei durchgängig 
bevorzugt. Am charakteristischsten gestaltete sich der Vorgang, wenn 
einzelne unbetonte Buchstaben ausfielen und Lücken in der Buch¬ 
stabenreihe klafften. Die Beobachter machten dann die Wahr¬ 
nehmung, dass die Auffassung der dominirenden Buchstaben wesent¬ 
lich successiv, von links nach rechts, vor sich ging, so dass die 
zusammenhangslosen Buchstaben weiter rechts deutlich später auf¬ 
gefasst wurden, als die Buchstabengruppe links. Der Schein, dass 
ein »Ganzes« gelesen würde, wird nur durch die Assimilation be¬ 
wirkt, die aus dem Vorstellungsschatz das adäquate Wortbild sofort 
in das Gerüst der dominirenden Buchstaben hineinfügt und es so 
rasch ausfüllt, dass der Vorgang überhaupt keine Zeit in Anspruch 
genommen zu haben scheint. 
Den besten Beweis für die Succession der Auffassung bieten 
die Vexirversuche. Wenn bei 8—lObuchstabigen Wörtern, in denen 
ein Vocal oder ein mittelzeiliger Consonant analog verändert war, 
die Veränderung erkannt wurde, ohne dass trotzdem Assimilation 
eintrat, so hinderte dieser Buchstabe die richtige Auffassung der 
ihm folgenden. Die Aufmerksamkeit blieb förmlich an diesem Buch¬ 
staben hängen und konnte sich nicht weiterhin über benachbarte 
Regionen ausdehnen. Bietet sich der Apperception ein Hinderniss 
in Gestalt eines falschen Buchstaben, so kann der ganze Process 
stocken. In der Unmöglichkeit, die weiter rechts liegenden Wort-
        

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