Bauhaus-Universität Weimar

Beobachtungen an Zweiklängen. 
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geschieht, besonders von seiten ungeübter Beobachter) : die höhere 
Stimmgabel verklang immer rascher, je höher sie gestimmt wurde, 
sodass die Dauer des Zusammenklanges stetig abnahm; das beein¬ 
trächtigte natürlich am meisten die nach jedem Streichen zuletzt 
hervortretenden Theiltöne. Diese Deutung der Ergebnisse wird da¬ 
durch noch wahrscheinlicher, dass in der vorliegenden Octave die 
Beobachtungen von $«e-Tönen stetig spärlicher werden, je weiter 
vom Grundton abrückte. Im Gegensatz zu den tieferen Octaven 
wurde der Su bei den engsten Intervallen am sichersten und deutlich¬ 
sten gehört; zum ersten Male bereits bei + 1056; hier versuchte 
Mö ausnahmsweise eine Höhenbestimmung durch die tiefere Doppel- 
octave und notirte unwissentlich genau den theoretischen Werth 2080. 
Das ungefähre Octavenverhältniss zu dem gleichzeitig vernommenen 
Zwischenton mag die Bestimmung erleichtert haben. 
4. Schwebungen. 
Die Analyse der Schwebungen bestätigte durchaus die bisher 
gefundenen Begelmäßigkeiten. Im Umkreise aller dem untersuchten 
Intervallgebiete angehörigen Consonanzen war die gesetzmäßige Ab- 
und Zunahme der charakteristischen Schwebungen mit Sicherheit fest¬ 
zustellen. Die Bestimmung ihrer Tonhöhe, ihre Begrenzung auf ganz 
bestimmte Theiltöne war durch die kurze und zum Theil auch un¬ 
gleiche Dauer der beiden Stimmgabeltöne erschwert. Häufiger als 
in den tieferen Octaven begegneten dabei Octaventäuschungen, der¬ 
art, dass die S der verstimmten großen Terz und verminderten Quinte 
(Tritonus) auch oder ausschließlich auf die höhere Octave (D3 bezw. 
Dt) der charakteristischen D-Töne (ZDl+i bezw. ZD3+i) bezogen 
wurden. Bei der großen Terz könnte man zur Erklärung an die 
Mitwirkung eines D = nl —_DS denken, den Hällström als Differenz¬ 
ton dritter Ordnung bezeichnet hat, und der innerhalb der ersten 
Periode durchweg als höhere Octave des auftreten müsste. Dieser 
D, auf den ich in einem historisch-kritischen Zusammenhänge noch 
zu sprechen komme, findet jedoch in allen bisher angestellten Unter¬ 
suchungen eine so schwache Stütze, dass ich es vorziehe, neben der 
allgemeinen Neigung zu Octaventäuschungen hier nur den eben an¬ 
gegebenen technischen Umstand verantwortlich zu machen. Die tiefen
        

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