Bauhaus-Universität Weimar

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Felix Krueger. 
In Kürze sei hier bemerkt, dass diese sogleich näher zu be¬ 
schreibenden Erscheinungen von Obertönen, die man zunächst dafür 
verantwortlich machen dürfte, gänzlich unabhängig waren. Neben 
anderen Kriterien bewiesen das vor allem zahlreiche besondere Ver¬ 
suche mit Interferenz, worüber ich im Zusammenhänge berichten 
werde. Nach dem gegenwärtigen Stande der einschlägigen Litteratur 
und mit Rücksicht auf die Bedingungen meiner Versuche hatte ich 
selbst nur bei der verstimmten Prime, allenfalls noch Octave und 
Quinte Schwebungen erwartet. Die verschiedenen Arten von 
Schwebungen beobachtete ich fast sämmtlich schon beim Streichen 
der Gabeln ohne genauere Analyse der Klänge; erst später erkannte 
ich die Nothwendigkeit, mehr als 2 Arten von Differenztönen zu 
unterscheiden. 
Die Schwebungen des verstimmten Einklangs [£Y| sind unter 
sonst gleichen Bedingungen erheblich stärker und erstrecken sich 
über ein weiteres Intervallgebiet als alle anderen Arten von Schwe¬ 
bungen. Mit jeder Schwingung, um die das primäre Intervall er¬ 
weitert wird, nimmt die Zahl der Primenstöße nur um 1 zu. Die 
Si bieten daher bei Aenderungen ihrer Frequenz die größte und am 
leichtesten zu beobachtende qualitative Mannigfaltigkeit dar. 
Bis zu etwa 8 p. Sec. [-|- 264] sind die S überall gut einzeln 
wahrnehmbar und (zuletzt weniger gut) zählbar; sie erscheinen wogend, 
wiegend, abgerundet, sanft rollend1); die Intensität des Eindrucks 
nimmt stetig ab und zu. Einigen Beobachtern erscheint die Ab¬ 
nahme etwas schneller als die Zunahme. Der Unterschied zwischen 
Minimum und Maximum der Intensität wird mit steigender Zahl der 
S geringer. Bei + 268 gelingt es auch mit der Secundenulir nur 
noch ganz annähernd, die absolute Zahl der S [12 p. Sec.] zu 
schätzen. Die Zunahme der Intensität erfolgt hier ebenso schnell 
wie die Abnahme, beides discontinuirlicher; die 5 sind weniger 
wogend und rund, mehr stoßartig oder rollend. Allen drängt sich 
das Bild einer Wellenlinie auf, deren Curven (vom Einklang ah) 
immer eckiger, spitzer, steiler und zugleich niedriger werden2). Der 
1) Die zur Charakteristik der Schwebungen von den verschiedenen Be¬ 
obachtern gebrauchten Ausdrücke stimmten gut mit einander überein und werden 
im Texte thunlichst beibehalten. 
2) lieber die optischen Associationen wird weiter unten Näheres mitgetheilt.
        

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