Bauhaus-Universität Weimar

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Felix Krueger. 
ohne irgendwo anzustoßen. Ein größter Papptrichter bot für zwei 
nebeneinanderstehende Gabeln Raum, wurde jedoch nur im Anfänge 
der Versuche benutzt, weil die vorhin beschriebene Zweitheilung der 
Röhren und die Interferenzvorrichtung sehr bald in Function traten. 
Interferenzversuche waren es auch, die die Filzumhüllung der Auf¬ 
nahmekästen und andere Maßregeln zur Isolirung der beiden gleich¬ 
zeitigen Klänge nöthig machten. 
Die Erregung der Stimmgabeln geschah durch langsames Streichen 
mit Violinbögen. Elektromagnetische Bewegung ist vorzuziehen, wenn 
es auf beliebig lange Klangdauer ankommt; auch ist damit innerhalb 
bestimmter Grenzen eine recht genaue Abstufung der Tonstärke 
möglich. Aber alle elektromagnetisch armirten Gabeln, die ich hörte, 
hatten sehr erhebliche Nebengeräusche, und das Princip des Mit¬ 
schwingens hätte für meine Zwecke zu geringe Tonstärken ergeben. 
Naturgemäß wird auch der Gebrauch der Laufgewichte durch eine 
elektromagnetische Armatur beschränkt. Bei der Herstellung meiner 
Gabeln wurde das Hauptgewicht auf möglichste Freiheit von Ober¬ 
tönen gelegt, wozu Herr Appunn sich nicht verpflichten wollte, 
wenn die Branchen die für elektrischen Betrieb nöthige Länge hätten 
erhalten sollen. Thatsächlich gaben schon für das directe Hören 
die Stimmgabeln einen überaus einfachen, reinen und weichen Ton. 
Näheres zu der Frage der Obertöne folgt bei Besprechung der 
Interferenzversuche. Das gleichzeitige Streichen mit beiden Armen 
erfordert einige Uebung. Ich fand es am zweckmäßigsten, die Gabeln 
ca. 50 cm von einander entfernt zu halten und so in die Kästen ein¬ 
zuschrauben, dass ihre dem Streichenden zugewendeten Breitseiten 
einen sehr stumpfen Winkel bildeten, parallel etwa zu den seitlich 
ausgestreckten, aber ein wenig nach vorn geneigten Armen eines 
Menschen. Der Bogen fasste stets nur eine Zinke der Gabel an; 
diese aber mit seiner ganzen Fläche. Um einen an Stärke und 
Qualität gleichmäßigen Ton zu erzielen, muss man ähnliche Regeln 
befolgen, wie der Violinspieler. Die Bögen müssen auch dicht und 
gleichmäßig behaart sein; von Zeit zu Zeit muss der Bezug erneuert 
werden. Ich erzielte schon nach den Vorversuchen einen recht guten 
gleichen Ton, und durch die vieltausendfache Uebung gelang es mir 
auch bald, die Tonstärke der beiden gleichzeitig gestrichenen Gabeln 
ziemlich fein abzustufen. Das Reibegeräusch der Bögen wurde immer
        

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