Bauhaus-Universität Weimar

Beobachtungen an Zweiklängen. 
Von 
Felix Krueger. 
Mit 1 Figur im Text. 
Helmholtz’ berühmte Theorien des Hörens und der Conso- 
nanz erfreuten sich lange Zeit einer beinahe allgemeinen Zustimmung. 
Von Vielen werden sie noch heute zu den werthvollsten und gesichert¬ 
sten Besitzthümern der Physiologie und Sinnespsychologie gerechnet. 
Aber die Sicherheit dieses Besitzes beginnt an mehr als einem Punkte 
zu wanken. Die Resonanztheorie wurde verschiedentlich durch weit¬ 
gehende Zusätze modificirt1). In neuester Zeit haben mehrere Aku¬ 
stiker jene glänzende, physikalisch so einleuchtende Hypothese ganz 
aufgegeben; und in den letzten sechs Jahren wurden zu ihrem Er¬ 
sätze nicht weniger als drei neue, von einander völlig abweichende 
Theorien aufgestellt2). Eine dieser neuen Hörtheorien, die physio¬ 
logische Hypothese Ewald’s, beansprucht, gleichzeitig mit dem Hören 
überhaupt die Oonsonanz besser zu erklären als Helmholtz. Die 
Hehnholtzische Auffassung der Oonsonanz und Dissonanz ist weniger 
original als seine Theorie des Hörens und war von Anbeginn zahl¬ 
reicheren Angriffen ausgesetzt. Stumpf, der auf tonpsychologischem 
Gebiete sozusagen das Erbe Helmholtzens angetreten hat, empfand 
die Erklärung aus den Obertönen und Schwebungen stets als un- 
1) So namentlich von Wundt in der Abhandlung: Ist der Hömerv direct 
durch Tonschwingungen erregbar? Philos. Stud. VUE (1893). Man vergleiche 
ferner Max Meyer, Ueber Combinationstöne u. s. w. Ztschr. f. Psych, u. Phys. 
d. Sinnesorg. 11 (1896). — Die von R. Koenig im Jahre 1876 angedeutete theo¬ 
retische Position (Pogg. Ann. 157) ist die alte des Th. Young (1800). 
2) Hermann, Beiträge zur Lehre von der Klangwahrnehmung, Pflüger’s 
Archiv 56 (1894). — Max Meyer, Zur Theorie der Dififerenztöne und der Ge¬ 
hörsempfindungen überhaupt, Ztschr. f. Psych. 16 (1898). — J. R. Ewald, Eine 
neue Hörtheorie, Pflüg. Arch. 76 (1899). 
Wundt, Philos. Studien. XVI. 
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