Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Verhältnis der ebenmerklichen zu den übermerklichen Unterschieden bei Licht- und Schallintensitäten
Person:
Ament, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4473/22/
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Wilhelm Ament. 
entdecken lassen, würde man gezwungen sein, eine Modification des 
sonst geltenden Größenbegriffs für die Empfindungen anzustreben. 
Wir sind gewiss weit entfernt davon, allen den hier hervor¬ 
gehobenen Möglichkeiten gleiche Bedeutung beizumessen. Aber sie 
alle lassen doch erkennen, dass jede von ihnen in Betracht gezogen 
werden muss, bevor man zwei grundverschiedene Größenbegriffe zu¬ 
gesteht. Es ist zweifellos wahrscheinlicher, dass die Unterschieds¬ 
schwellen keine merklich gleichen Unterschiede sind, oder dass die 
Merkel’schen Versuche keine tragfähige Basis für theoretische Er¬ 
örterungen principieller Art bilden, oder dass besondere Urtheilsein- 
flüsse die Resultate der Unterschiedsvergleichung von der ihnen sonst 
zukommenden Richtung ablenken, als dass die Größenmessung auf 
psychologischem Gebiet eine andere Bedeutung habe als auf physika¬ 
lischem. Es genügt, an dieser Stelle gezeigt zu haben, dass die geist¬ 
reichen Ausführungen von Lange uns einen Gesichtspunkt in der 
uns interessirenden Frage dargeboten haben, der nur in letzter Linie 
in Betracht kommen kann und der sich a priori durchaus nicht 
empfiehlt. 
Aus den Erörterungen von Meinong üher die Bedeutung des 
Weber’schen Gesetzes heben wir für unser Problem nur die licht¬ 
volle Behandlung der Begriffe Unterschied, Verschiedenheit und 
Merklichkeit hervor1). Es erschien uns für unseren Zweck nicht 
nothwendig, den geläufigen Begriff des ebenmerklichen Unterschieds 
durch den von Meinong vorgeschlagenen der ebenmerklichen Ver¬ 
schiedenheit zu ersetzen. Dagegen hat er unbestreitbar Recht, wenn 
er darauf hinweist, dass der Begriff des Ebenmerklichen keine 
Größenbestimmung für den betreffenden Unterschied in 
sich schließe, und dass auch für den Merklichkeitsgrad aus der 
Angabe, dass etwas ebenmerklich sei, keine auch nur einigermaßen 
scharfen Grenzen gezogen werden. 
Diese Resultate einer Begriffsanalyse vervollständigen noch das 
Bild des schwankenden Bodens, auf dem wir uns in den Grundfragen 
der Psychophysik trotz aller theoretischen und experimentellen Be¬ 
mühungen zur Zeit noch bewegen. Dadurch dürfte zur Genüge eine 
Rechtfertigung für das Unternehmen erbracht sein, mit Hülfe neuer, 
1) A. a. O. S. 120 f., 265 f.
        

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