Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Verhältnis der ebenmerklichen zu den übermerklichen Unterschieden bei Licht- und Schallintensitäten
Person:
Ament, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4473/10/
144 
Wilhelm Ament. 
sondern auch die Reize und deren Verhältnisse zu einander genau 
kennt und das optische Bild der jedesmal eingestellten Kugelhalter 
in sich aufnehmen kann, wird höchst wahrscheinlich durch dieses 
Wissen und Sehen in seinem Urtheil über die wahrgenommenen 
Schallintensitäten mitbestimmt werden. Von einer solchen doppelten 
Beurtheilungsweise nach Unterschieden und nach Verhältnissen haben 
wir hei unseren Beobachtungen ebensowenig etwas entdecken können, 
wie die Versuchspersonen von Angell. Dagegen musste sie Merkel 
schon um deswillen geläufig sein, weil er nach seiner Methode der 
doppelten Beize, die eine Beurtheilung nach Verhältnissen in sich 
schließt, viele Versuche ausgeführt hatte. 
Wundt1) hat bereits vermuthet, dass es sich hei der Methode 
der mittleren Abstufungen um eine relative und eine absolute Em¬ 
pfindungsschätzung handeln könne. Die erste, die relative, würde 
»dann eintreten, wenn.....die Vergleichung der 3 Beize ri ri r3 
derart stattfindet, dass die den Beizintervallen rl n2 und r2 r3 ent¬ 
sprechenden Empfindungsstrecken mit einander verglichen werden 
können. Dann erscheinen beide Strecken einander gleich, wenn 
■r2 : rl = r3 : rt ist. Dagegen wird die absolute Schätzung bevorzugt 
sein, wenn die Theilstrecke r{ mit der ganzen Strecke r, r3 ver¬ 
glichen wird. Es wird dann n, in der Mitte zu liegen scheinen, 
wenn r, r9_ = \ri r3 ist.« Wenn man nun bedenkt, dass Merkel 
in der Beurtheilung eines solchen Zahlenverhältnisses, wie es hei der 
absoluten Empfindungsschätzung vorausgesetzt wird, durch seine vielen 
Versuche nach der Methode der doppelten Beize besonders geübt 
sein musste, so wird es als naheliegend erscheinen dürfen, anzunehmen, 
dass er sie auch hier, hei der Strecken Vergleichung in Anwendung 
gebracht habe.2) Eine besondere Stütze erhält diese Annahme viel¬ 
leicht noch dadurch, dass die nach der Methode der doppelten Beize 
gewonnenen Werthe fast durchweg eine Abnahme des Quotienten 
R 
mit wachsendem Bi aufweisen.3) Bei den kleinsten absoluten 
-ß4 
1) Grundzüge der physiologischen Psychologie. I'. S. 394. 
2) Damit dürfte auch der von Dittenberger (Archiv für systematische 
Philosophie. II. S. 101) gegen die Wundt’sehe Unterscheidung vorgebrachte Ein¬ 
wand für diesen speciellen Pall beseitigt sein. 
3) Yergl. Philos. Stud. IV. S, 265 ff., 517.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.