Bauhaus-Universität Weimar

Rhythmus und Arbeit. 
229 
hätten. Der Buchstabe c z. B. war ihr sehr unangenehm, während 
r und die langen Buchstaben 1, b, h ihr angenehm waren. 
Am Ende der ersten fünf Tage gewann die Versuchsperson eine 
gewisse Begelmäßigkeit beim Lesen und Reproduciren, so dass am 
sechsten Tage die formelle Versuchsreihe angefangen wurde. Während 
der ersten vier Tage (2.—6. März) hat die Versuchsperson staccato 
gelesen, beim Reproduciren aber hat sie trochäisch oder jambisch 
gesprochen. Die Reproduction beim Trefferverfahren geschah in 
jambischem Rhythmus. Sehr oft hat sie vom Photographiren der 
Buchstaben gesprochen und gesagt, dass oft bei der Reproduction 
die Buchstaben als sinnfällige Bilder ins Bewusstsein gekommen 
wären. Dies war besonders der Fall, als der betonte Rhythmus zu¬ 
rückgedrängt wurde. Manchmal sind ihr mehrere Stunden nach 
der Uebung die Buchstaben am weißen Papier auf dem rotirenden 
Cylinder als positive Nachbilder erschienen. 
Während dieser vier Tage hat die Versuchsperson behauptet, 
dass das Lernen mehr durch das Sehen als durch das Hören erfolge. 
Zu dieser Zeit hat sie verschiedene visuelle Associationen gemacht. 
Beim Reproduciren hat sie die Lage der Consonanten in der Reihe 
ziemlich oft verwechselt. Manchmal hat sie rückwärts reproducirt, 
manchmal die regelmäßige Succession unterbrochen und von einander 
entfernte Consonanten nach einander reproducirt. 
Am 6. März hat die Versuchsperson angefangen jambisch zu 
lesen. Am nächsten Tage berichtete sie, dass die bestimmte Grup- 
pirung die anderen Associationen nicht zurückgedrängt habe, sondern 
dass zwei Reihen von Gedanken, nämlich die der Associationen und 
die des Rhythmus, neben einander herliefen, zwischen denen die Auf¬ 
merksamkeit immer schwanken musste. Daraus erkläre sich die 
Schwierigkeit des Lernens. Am 9. März berichtete die Versuchs¬ 
person, dass, sobald das Lesen mit jambischem Rhythmus durch die 
Uebung leicht wurde, sie die Neigung hatte, die rotirenden Buch¬ 
staben mit einer solchen Betonung und Declamation zu lesen, als ob 
sie wirkliche Gedanken ausdrückten. Durch dieses Verfahren ver¬ 
schwanden die Bilder der Buchstaben, und das Memoriren war dabei 
sehr erschwert. Die einzelnen Reihen fand die Versuchsperson ver¬ 
schieden schwer. Die Schwierigkeit lag nach ihrer Meinung in der 
Art der Aufeinanderfolge der Consonanten. Schwer sind vor allem
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.