Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Reactionszeiten bei Durchgangsbeobachtungen
Person:
Alechsieff, Nicolaus
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4470/16/
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Nicolaus Alechsieff. 
erörtert. Erst L. Lange1) stellte aber die Frage durch die Unter¬ 
scheidung zweier Reactionsweisen klarer hin. Beide unterscheiden 
sich nach der Richtung der Aufmerksamkeit. Demnach bezeichnet 
er es als sensorielle Reaction, wenn die Aufmerksamkeit aus¬ 
schließlich dem erwarteten Sinneseindruck zugewendet ist, als mus- 
culäre, wenn sie fast ausschließlich auf die auszuführende Bewegung 
gerichtet ist. Diese Unterscheidung ist in weiteren Versuchen be¬ 
stätigt und weiter ausgebildet worden, doch findet man auch ver¬ 
schiedene Einwände gegen dieselbe. So wendet sich Catteil2) gegen 
die beiden Reactionsweisen, indem er ihre Allgemeingültigkeit be¬ 
streitet. Er konnte eine scharfe Begrenzung der beiden Arten von 
Reactionszeiten nicht erreichen. Sicher ist die Ausführung solcher 
Versuche mit großen Schwierigkeiten verbunden. Namentlich vergisst 
man in solchem Falle den Einfluss der Einübung in Betracht zu 
ziehen. Man muss, wenn man solche Versuche ausführen will, eine 
große Uebung darin haben, entweder seine Aufmerksamkeit fast aus¬ 
schließlich auf den erwarteten Eindruck,' oder auf die Ausführung 
der Bewegung zu richten. Man darf aber anderseits nicht, wie es 
zweifellos bei Cattell der Fall war, auf eine Reactionsweise, speciell 
die musculäre, so ausschließlich eingeübt sein, dass eine Abweichung 
von derselben nicht mehr möglich ist. Wundt3) wie Lange er¬ 
kennen auch diese Schwierigkeiten an, indem sie die einander am 
meisten entgegengesetzten Reactionsweisen »extrem sonsoriell« und 
»extrem musculär« nennen. Daraus ergibt sich schon, dass sich 
zwischen diesen beiden extremen Reactionsweisen andere befinden 
müssen, und es fragt sich, wie sich diese zu jenen beiden extremen 
verhalten. Wundt4) wirft die Frage auf, ob die von Lange auf¬ 
gestellten Reactionsweisen »künstliche Einschränkungen der natür¬ 
lichen Reactionsform und nicht vielmehr nothwendige Endstufen 
derselben sind«. Da diese Frage für meine weiteren Untersuchungen 
von großer Bedeutung war, so führte ich Versuche aus, um sie 
näher zu untersuchen. Diese Versuche bestanden in gewöhnlichen 
Lichtreactionen an dem Spaltpendel. 
1 ) Philosophische Studien. IV. S. 479 ff. 
2) Philosophische Studien. VUE. S. 403 ff. 
3) Physiologische Psychologie. II. S. 309. 
4) Physiologische Psychologie. II. S. 315.
        

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