Bauhaus-Universität Weimar

Die Farbenwahrnehmung im indirecteu Sehen. 
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das einzelne Auge ganz verschieden sich gestaltet, dass F arben- 
empfindungen auf heterochrome Reize früher auftreten können, als 
auf isochrome — ist wohl einem solchen Vergleiche der Boden der 
Thatsachen entzogen. Wie unser Hauptargument gegen diesen Ver¬ 
gleich, die Existenz der gegenfarhigen Zone, zu deuten sei, darauf 
werde ich bei der allgemeinen Zusammenfassung der Ergebnisse noch 
zurückkommen. Hier mag noch eins beleuchtet werden, was auf die 
methodologischen Fragen zurückgreift, vorher aber nicht gut erörtert 
werden konnte: nämlich die Zerstörung der Möglichkeit eines un¬ 
wissentlichen Verfahrens für die Untersuchung des indirecten Farben¬ 
sehens. Sowie die Beobachter die gegenfarbige Zone in ihrer Con- 
stanz hei zwei Farben der verschiedenen Spektralhälften erst kennen 
gelernt haben, ist ein völlig unwissentliches Verfahren unmöglich. 
Dies gilt also auch für meine Behauptung, die Vexirversuche seien 
»unwissentlich« angestellt. Häufig genug geschah es dabei, dass der 
Beobachter die objective Farbe aus der Färbung der gegenfarhigen 
Zone errieth. Das unwissentliche Verfahren wird in Folge dessen von 
selber zu einem halbwissentlichen, und ich gestehe, dass ich dieses 
so ziemlich für das allerungünstigste halte, weil es an Stelle einer 
ruhigen Erwartung, wie sie heim wissentlichen Verfahren gegeben 
ist, eine unsichere, neugierige, mit Spannungsgefühlen verbundene 
Vermuthung setzt, die namentlich leicht zu Abirrungen vom Fixir- 
punkt zu verleiten scheint. Ich sehe darum in den Werthen der 
zweiten oder Hauptversuchsreihe, die den Beobachter vorher die 
Farbe wissen ließ, die zuverlässigsten, und habe sie auch der Con¬ 
struction der Isochromen zu Grunde gelegt. 
Die Verschiedenheit der Aufeinanderfolge und des Verlaufs der 
Isochromen in den beiden Augen je eines Beobachters ließ die Frage 
auf tauchen, oh die Erscheinung der »Rechtsheit«, die unsere Be¬ 
wegungsorgane kennzeichnet, etwa auch für das Farbensehen Geltung 
hat. Dass es für die Sehschärfe der Fall ist, beweisen die prak¬ 
tischen Erfahrungen (z. B. beim Mikroskopiren) ; exact ist es meines 
Wissens noch nicht untersucht. In unserem Falle hätte eine auf¬ 
fallende Einengung der linken Isochromen oder eine besondere Größe 
der mittleren Variation hei den links gefundenen Werthen das Kri¬ 
terium bieten können. Jene Einengung ist nun zwar für den Be¬ 
obachter A sehr stark, für die übrigen aber nicht vorhanden, so dass 
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