Bauhaus-Universität Weimar

Die Farbenwahrnehmung im indirecten Sehen. 533 
besonders angestellte Versuche hei A und B für Both und Blau ge¬ 
funden habe. 
Kirschmann hat den möglichen Fehler, der in den Verhält¬ 
nissen der Fixation gegeben ist, zu berechnen versucht, vornehmlich 
um seine Wahl einer ausgedehnteren Fixirfläche zu rechtfertigen; er 
findet ihn für eine Verschiebung des Blickpunktes um 5 mm etwa 
15 Bogenminuten. In der That ist das für die Werthe von mini¬ 
maler Bedeutung; der hauptsächlichste Fehler liegt nicht hierin, son¬ 
dern ist dadurch gegeben, dass beim überhaupt erst zugelassenen 
Umherstreifen des Auges die Grenzen nicht mehr präcis innegehalten 
und größere Abirrungen erleichtert werden. Kirschmann meint, 
dass die größere Fixirfläche die Oscillationen der Apperception aus- 
gleiche; aber es handelt sich bei den beobachteten und allerdings 
sehr störenden Schwankungen viel weniger um psychologische, als um 
physiologische Erscheinungen, die in der Sehsubstanz der Netzhaut 
ihren Sitz haben; was doch zweifellos daraus hervorgeht, dass die 
Beschaffenheit der Lichtquelle einen so starken Einfluss auf diese 
Schwankungen ausübt. Natürlich darf das Auge nicht ununterbrochen 
auf den Fixirpunkt gerichtet sein, sondern nur so lange der Versuch 
es erfordert. 
Bei der Wahl der psychologischen Methode bietet sich, da es 
sich um eine Schwellenbestimmung handelt, die Methode der Mini¬ 
maländerungen als vornehmlich in Betracht zu ziehende dar. Es 
ergibt sich jedoch eine bereits von Kirschmann erwähnte Schwierig¬ 
keit: eine starke Lagedifferenz der Schwelle, je nachdem das Vor¬ 
rücken am Perimeter centripetal, vom Farblosen zur Farbe, oder 
centrifugal, von der Farbe zum Farblosen, erfolgt ist. Entsprechend 
der Erfahrung, dass bei der Methode der Minimaländerungen Erwar¬ 
tungen eine Rolle zu spielen pflegen, hat Kirschmann diese Diffe¬ 
renz als eine solche zwischen »unwissentlichem« und »wissentlichem« 
Empfinden definirt, wobei jenes der centripetalen, dieses der centri- 
fugalen Bewegung entsprechen sollte. So plausibel diese Erklärung 
erscheinen mag, so begeht sie doch den Fehler, complicirte psycho¬ 
logische Fehlerquellen dort anzunehmen, wo es sich wohl nur um 
physiologische handelt. Kirschmann hat die Probe auf seine Hypo¬ 
these gar nicht gemacht: den Versuch nämlich, ob jene Differenz 
verschwindet, wenn man das centripetale Vorrücken zu einem wissent- 
Wundt, Philos. Studien. XY. 36
        

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