Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über das Gedächtniss für räumliche Distanzen des Gesichtssinnes
Person:
Radoslawow, Zwetan H. D.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4279/8/
Untersuchungen über das Gedächtniss für räumliche Distanzen des Gesichtssinnes. 325 
Punkte, welche die Distanz bildeten, waren so angebracht, dass sich 
der eine auf der -inneren Fläche der feststehenden Glasscheibe, der 
andere auf dem beweglichen Carton befand, und zwar auf der 
gleichen Horizontalen. Wurde nun der Carton nach der einen Seite 
verschoben, so traten die Punkte mehr und mehr auseinander, wo¬ 
durch die Distanz vergrößert wurde; bewegte er sich nach der ent¬ 
gegengesetzten Richtung, so näherten sich dieselben und die Distanz 
wurde kleiner. Die größeren Verschiebungen konnten an einem hinter 
der Mikrometerschraube in horizontaler Lage befestigten Metermaß, 
welches halbe Millimeter zeigte, abgelesen werden; die kleineren da¬ 
gegen wurden durch die Mikrometers ehr aube selbst angegeben. Da 
eine Umdrehung der Schraube eine Verschiebung des Cartons in der 
Größe von 0,5 mm bewirkte, und der Durchmesser des Messrades, 
das in 100 Theile getheilt war, 8,5 cm betrug, so konnten an der 
Maßeintheilung noch Unterschiede von 1/2oo mm abgelesen werden. 
Damit nicht durch die Glasscheibe entstehende Lichtreflexe die 
Aufmerksamkeit vom Versuchsobjecte ablenkten, wurde das Sehfeld 
so abgegrenzt, dass die Glasscheibe mit einem braunen Papier be¬ 
klebt, und nur, wo die Distanz sich befand, ein viereckiger Aus¬ 
schnitt freigelassen wurde. Dieser war hinreichend groß, dass bei 
der Auffassung und Reproduction des Eindruckes keine störenden 
Wirkungen durch die Ränder des so abgegrenzten Sehfeldes ent¬ 
stehen konnten. Der ganze Apparat war auf einem Tische, ungefähr 
75 cm vom Beobachter entfernt aufgestellt. Die Beleuchtung wurde 
möglichst constant gehalten, und es wurde mit jedem Beobachter 
entweder nur bei Tages- oder nur bei Lampenlicht gearbeitet. 
Die Versuche wurden dann folgendermaßen ausgeführt. Zuerst 
wurde die Normaldistanz gezeigt und die Versuchsperson aufgefordert, 
sich dieselbe zu merken — wobei die Zeitdauer wie die Art des 
Merkens ihrem Belieben überlassen wurde1) — und nachdem dies 
1) Im Anfang verlangte ich von den Beobachtern, dass sie die Mitte der 
Distanz fixiren sollten. Es ergab sich aber, dass Augenbewegungen nicht zu 
unterdrücken waren, und dass ein Versuch, ihnen entgegenzuwirken, auf die Auf¬ 
fassung des Eindruckes von nachtheiligem Einfluss war (vergl. Abschnitt V, 2), 
was in einem Steigen des Schwellenwerthes deutlich zum Ausdruck kam. Ich 
änderte daher das Verfahren im obigen Sinne. Bezüglich der Merkzeitendauer 
vergl. unten Abschnitt IV, 6 »Merkzeiten«.
        

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