Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über das Gedächtniss für räumliche Distanzen des Gesichtssinnes
Person:
Radoslawow, Zwetan H. D.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4279/76/
Untersuchungen über das Gedächtniss für räumliche Distanzen des Gesichtssinnes. 393 
unten beim ebenmerklichen, nach oben beim Grenzunterschied auf, 
aus welchem Grunde nun eine Abhängigkeit der untermerklichen 
(und des unendlich kleinen), wie der gedächtnissübermerklichen Unter¬ 
schiede von der Zeit erfahrungsmäßig nicht nachgewiesen werden kann. 
Der Verlauf der Gedächtnissschwelle, das ist die Veränderung 
der Gedächtnissschärfe mit der Zeit, geht somit vom idealen in das 
absolute Gedächtniss über, und das Verhältniss, in welchem diese 
mittleren Unterschiede zu der für ihre Erkennbarkeit nöthigen Zeit 
stehen, hat den Gegenstand unserer in Abschnitt IIIA beschriebenen 
Untersuchungen gebildet und kommt in der dort aufgestellten Formel 
zum Ausdruck, nach welcher die Unterschiede in einer geometrischen 
Progression abnehmen müssen, wenn die Zeiten in einer arithme¬ 
tischen kleiner werden. 
Es handelt sich nun die Grenze des absoluten Gedächtnisses zu 
bestimmen. Dies ist, abgesehen von seiner sonstigen Wichtigkeit, für 
unsere Versuche und zur Ergänzung der Ergebnisse von besonderem 
Werthe. Da das Steigen des Schwellenwerthes, nach dem oben Aus¬ 
geführten, die durch das absolute Gedächtniss gegebene Grenze nicht 
überschreiten kann, so wird das asymptotische Ende der Curven im 
weiteren Verlauf mit dieser zusammenfallen. Unsere Versuche er¬ 
streckten sich bekanntlich nur bis zu einer Zwischenzeit von 60 Se- 
cunden. Nun kann uns die Bestimmung der Grenze des absoluten 
Gedächtnisses, wenigstens approximativ, einen Aufschluss geben, wie 
hoch noch die Schwelle bei noch längeren, ja bei beliebig langen 
Zwischenzeiten (bei dem betreffenden Beobachter) steigen kann, so 
dass diese Bestimmung die durch unsere Versuche nicht erreichte 
Weiterführung der Ourven ersetzen kann. Ich habe mit den oben 
angeführten Versuchen mit mehreren Tagen Zwischenzeit dies ermit¬ 
teln wollen und bestimmte (auf S. 344f. angegebene) Werthe gefunden; 
diese Werthe müssen nun mit jenen aus der Bestimmung des abso¬ 
luten Gedächtnisses hervorgegangenen bei den betreffenden Versuchs¬ 
personen ebenfalls zusammenfallen. So können wir diese Grenze 
zugleich die obere Grenze der Gedächtnissschärfe nennen, während 
das ideale Gedächtniss die untere bilden würde. 
Wir können uns, bei der nothwendig anzunehmenden Existenz 
eines absoluten Gedächtnisses, nach den bisherigen Betrachtungen 
vorstellen, dass Distanzen,, deren Längen dermaßen von einander
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.