Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über das Gedächtniss für räumliche Distanzen des Gesichtssinnes
Person:
Radoslawow, Zwetan H. D.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4279/58/
Untersuchungen über das Gedäehtniss für räumliche Distanzen des Gesichtssinnes. 375 
lieh zu beobachten, folglich auch die Wahrnehmung eines Rhythmus 
vorhanden. Die Erklärung der Curvenschwankungen nach dem von 
uns angenommenen Principe liegt nun an der Hand dieses begleiten¬ 
den Umstandes nahe. 
Das erwartungsvolle *) spannende Bestreben, mehrere Taktschläge 
zu einem Ganzen zusammenzufassen und so aus der fortlaufenden 
Taktreihe rhythmische Glieder zu bilden — was, wie in unserem Fall, 
auch bei gleichmäßiger objectiver Intensität der Schläge durch sub¬ 
jective Betonung einzelner derselben geschehen kann — ein Bestreben, 
welches, wie bekannt, ein unwiderstehliches ist, so lange die Auf¬ 
merksamkeit nicht willkürlich von den Taktschlägen abgelenkt wird 
(was ja wegen der wiederholten Ermahnung von Seiten des Experi¬ 
mentators, auf den Zwischeneindruck zu achten, nicht anzunehmen ist) 
wird nicht bei allen Schlagzahlen gleich befriedigt: Bei 20 (und zum 
Theil auch bei 50) Metronomschlägen in der Minute kann wegen der 
zu langsamen Aufeinanderfolge der Eindrücke — gemäß der Ab¬ 
hängigkeit von dem Umfange des Bewusstseins — ein Rhythmus 
nicht wahrgenommen werden. Das vergebliche Streben nun, zwei 
langsam sich folgende Eindrücke zu einer Vorstellung zu verbinden, 
erhöht die spannende Erwartung auf den langsam nachfolgenden Takt¬ 
schlag. Dies fesselt aber die Aufmerksamkeit an den erwarteten Ein¬ 
druck 2) und überhaupt an die Zwischeneindrücke3) und lenkt sie von 
dem Normaleindruck bedeutend mehr ab, als bei den schnelleren Takt¬ 
folgen, was nach unserer Annahme ein Sinken der Schwelle zur Folge 
haben muss. Bei 100 Metronomschlägen drängte sich der Rhythmus 
dem mehr passiven Bewusstsein so zu sagen von selbst auf; die 
spannenden Gefühle schwanden; die Versuchspersonen fühlten sich 
erleichtert; die Aufmerksamkeit wurde vom Banne der Zwischenein¬ 
drücke gewissermaßen befreit und konnte leicht zu anderen Vor¬ 
stellungen hinschweifen. Daher das Taktiren mit Fuß und Fingern: 
können wir doch im gewöhnlichen Leben die Beobachtung, machen, 
1) Yergl. Wundt, a. a. O. Bd. Il, S. 84. 
2) Vergl. Wundt, a. a. O. Bd. II, S. 280. 
3) Es geschah bei diesen kleinen Schlagzahlen, namentlich bei 20, oft, dass 
die Versuchspersonen, welche ja in der Zwischenzeit die Augen geschlossen halten 
sollten, unwillkürlich auf blickten und dieselben nach derjenigen Richtung wen¬ 
deten, von welcher die Schallreize ausgingen.
        

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