Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die “Verschmelzung“ von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken: III. Die Verschmelzung von Intervallen.
Person:
Buch, Ejnar
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4276/80/
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Ejnar Buch. 
Auch die Resultate der Versuche ohne Analyse mit Appunn- 
schen Zungen ließen sich mit Hülfe von Consonanzverhältnissen, 
Stößen zwischen den Theiltönen und ähnlichen bekannten Factoren 
vollständig erklären. Dagegen mussten wir zur .Erklärung der Re¬ 
sultate der Versuche mit Orgelpfeifen ohne Analyse eine Hypothese 
über den musikalischen Entwickelungsgang des Ohres aufstellen, die 
wohl — vielleicht in Verbindung mit dem Einflüsse, den der Abstand 
der Grundtöne auf die Beurtheilung der Intervalle haben konnte — 
die Versuchsresultate auf sehr zufriedenstellende Weise zu erklären 
vermochte, deren Haltbarkeit im übrigen aber wohl einem Zweifel 
unterworfen sein konnte. Unter allen Umständen gewährten auch 
diese Resultate keine Stütze für die Behauptung eines Unterschiedes 
in dem Verschmelzungsgrade der Intervalle — ebenso auch nicht für 
die Aufstellung eines selbständigen Harmoniebegriffes —; jedoch 
mussten auch hier Octave und Duodecime ausgenommen werden, In¬ 
tervalle, für die wir die Möglichkeit oder sogar Wahrscheinlichkeit 
eines besonders hohen Verschmelzungsgrades einräumen mussten. 
d. Schluss. 
Bevor wir diese Untersuchung abschließen, wollen wir nur noch 
einen kurzen Blick auf die früher besprochenen Untersuchungen 
desselben Gegenstandes zurückwerfen. Zunächst können wir hier 
Stumpf’s Versuche mit Unmusikalischen betrachten. Man sieht 
nun leicht, dass die Resultate dieser Versuche außerordentlich gut 
mit unseren eigenen Versuchsresultaten übereinstimmen, wenn wir nur 
davon ausgehen, dass die Theilnehmer an Stumpf’s Versuchen nach 
dem unmittelbaren Gesammteindrucke geurtheilt und nicht eine Ana¬ 
lyse vorgenommen haben, — eine Voraussetzung, von der auszugehen 
wir nach dem, was wir sahen, auch sonst guten Grund hatten. Be¬ 
sonders beachtenswerth ist dann zugleich der Unterschied zwischen 
Stumpf’s Resultaten bei obertonreichen und obertonarmen Registern, 
der auch wesentlich mit dem Unterschiede übereinstimmt, den wir 
zwischen den Resultaten mit Appunn’schen Zungen und Orgelpfeifen 
fanden. Besteht aber so sehr gute Uebereinstimmung zwischen 
Stumpf’s Resultaten und den unsrigen, so müssen wir natürlich 
auch Stumpf’s Resultate auf dieselbe Weise erklären können wie 
unsere eigenen.
        

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