Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die “Verschmelzung“ von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken: III. Die Verschmelzung von Intervallen.
Person:
Buch, Ejnar
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4276/77/
Ueber die »Verschmelzung« von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken. 259 
fassung der ausgeprägtesten, consonanten oder dissonanten, Intervalle 
schneller als die Auffassung der anderen entwickelt. Was die Terz 
anlangt, so kann als besondere Erklärung für ihre besonders geringe 
Fehlerzahl hinzugefügt werden, dass sie ja ohne Zweifel der all¬ 
gemeinste und am besten gekannte Zweiklang ist. 
Unsei e Versuchsresultate mit Orgelpfeifen ohne Analyse sind 
also mit Hülfe der früher dargestellten Auffassung der musikalischen 
Entwickelung des Ohres recht wohl zu erklären. Wenn wir nun 
hier bei dieser Erklärung stehen bleiben, so geschieht dies gleichwohl 
nicht, weil sie uns unbedingt zufriedenstellt: das Schlagwort »Ent¬ 
wickelung« ist man in neuester Zeit ja etwas zu geneigt als eine 
Art ,deus ex machina' zu gebrauchen, der sonst unlösbare Knoten 
lösen soll. Aber der Grund ist theils der, dass uns die anderen 
Erklärungen, die wir uns haben denken können, noch weniger zu¬ 
friedenstellen, theils auch der, dass sich diese Erklärung allein auf 
Thatsachen stützt, deren Bedeutung für die Auffassung musikalischer 
Verhältnisse unbestreitbar ist — was ja auch aus unseren Versuchen 
hervorgeht —, und so nicht ganz neue Begriffe und Hypothesen ein¬ 
führt, die in Wirklichkeit, auf jeden Fall bis jetzt, hinreichender’ 
Anknüpfungspunkte in unseren wissenschaftlichen Erfahrungen ent¬ 
behren. 
Es bleibt uns jedoch noch die Octave und die Duodecime übrig. 
Dass nun unsere kürzlich dargestellte Erklärungsweise diese Intervalle 
hinsichtlich der Anzahl von falschen Schätzungen zu oberst in der 
Beihe stellen muss, darüber kann kein Zweifel bestehen. Aber in 
Wirklichkeit zeigen unsere Versuche nicht bloß, dass sie zu oberst 
in der Reihe stehen, sondern dass sie unbedingt eine Sonderstellung 
einnehmen: es besteht ein entschiedener Sprung zwischen ihnen und 
den übrigen Intervallen, nicht nur ein gradweiser Uebergang. Am 
unzweideutigsten geht dies aus Herrn Th.’s Resultaten hervor (Ta¬ 
belle IV a und theilweise b), gleichwie auch aus denen des Herrn Bj.1). 
Und diese Sonderstellung kann unsere Erklärung kaum hinreichend 
begründen. Man könnte sich dann weiter darauf berufen, dass Octave 
und Duodecime bei Tongebern mit stark zusammengesetzten Klängen 
uus ganz denselben Theiltönen bestehen wie die Prime, und dass so 
1) Siehe Tabelle III und IX der dänischen Ausgabe.
        

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