Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die “Verschmelzung“ von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken: III. Die Verschmelzung von Intervallen.
Person:
Buch, Ejnar
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4276/68/
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Ejnar Buch. 
einander aufgetreten sind. Hiernach müssten also Terz, Quinte, 
Quarte leichter zu analysiren sein als kleine Sexte, Triton, Septime 
— die Terz sicherlich am leichtesten, weil sie sich der Beobachtung 
sicher am häufigsten darbietet und zugleich, nach zahlreichen überein¬ 
stimmenden Zeugnissen, das wohlklingendste Intervall ist. 
Ob nun unsere Versuchspersonen so viel musikalische Erfahrung 
besessen haben, dass der Unterschied in der Uebung gegenüber den 
verschiedenen Intervallen einen Einfluss auf die Versuchsresultate hat 
gewinnen können, lässt sich selbstverständlich nicht ohne weiteres 
entscheiden; aber ausgeschlossen ist es keineswegs. 
Soweit wir die Verhältnisse bei den Analyseversuchen mit Ap- 
punn’schen Zungen von vornherein übersehen köhnen, müssen wir also 
erwarten, dass die Reihenfolge der Intervalle die umgekehrte von dem 
wird, was wir hei den Versuchen ohne Analyse fanden; auch der 
Unterschied der Uebung gegenüber den verschiedenen Intervallen muss 
ja wesentlich in dieser Richtung wirken. Eine eigentliche Sonder¬ 
stellung für Octave und Duodecime zu erwarten, ist durchaus kein 
Grund vorhanden ; aber als die am wenigsten zusammengesetzten und 
reinsten Intervalle sollten sie natürlich zuerst in der Reihe kommen : 
mit der geringsten Anzahl falscher Schätzungen. 
Betrachten wir endlich die Analyseversuche mit Orgelpfeifen, so 
sehen wir leicht, dass der Unterschied der Uebung gegenüber den ver¬ 
schiedenen Intervallen die einzige voraussichtliche Ursache zu einem 
Unterschiede in der Beurtheilung der Intervalle ist, — mit Ausnahme 
jedoch der Secunde, wo vielleicht die Kleinheit des Intervalles, auf 
jeden Fall aber die Stöße zwischen den beiden Grundtönen eine ver- 
hältnissmäßig große Anzahl Fehler verursachen werden. 
Bevor wir die vorhergehende Untersuchung verlassen, müssen wir 
jedoch die Aufmerksamkeit noch darauf hinlenken, was wir schon 
früher berührt haben: dass die beiden Beurtheilungsweisen nicht 
immer vom Beobachter auseinander gehalten werden können, und 
dass dies natürlich dazu beitragen muss, den Unterschied zwischen 
den Resultaten hei den Versuchen mit und ohne Analyse zu ver¬ 
mindern. Bei den Versuchen mit Gesammteindrücken wird es so 
unmöglich sein, die rein unwillkürliche Analyse des Intervalles zu 
verhindern, die sich bei sehr geübten Beobachtern oft augenblicklich 
meldet, während sie hei weniger geübten natürlich wohl hin und
        

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