Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die “Verschmelzung“ von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken: III. Die Verschmelzung von Intervallen.
Person:
Buch, Ejnar
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4276/2/
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Ejnar Buch. 
Frage gegeben hat. Und als Einleitung müssen wir kurz die eigen¬ 
tümliche Gestaltung besprechen, die er seinem Verschmelzungsbe- 
grifEe auf dem Gebiete der Töne gibt. 
Zuerst müssen wir die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass 
Stumpf in seiner allgemeinen Auffassung der Verschmelzung eine 
etwas andere Stellung einnimmt, als wir dies gethan haben. Er nennt 
die Verschmelzung die Ursache dafür, dass gleichzeitige Empfindun¬ 
gen schwerer zu vergleichen oder zu unterscheiden sind als auf ein¬ 
ander folgende (s. S. 3), er betrachtet sie mit anderen Worten als 
eine Hypothese, welche dieses Verhältniss erklären soll, während wir 
vorziehen würden, zu sagen, die Verschmelzung besteht darin, 
dass die Empfindungen nicht scharf aus einander gehalten werden, 
sie äußert sich auf diese Weise. Aber indem Stumpf danach zu 
den Tönen übergeht, hebt er ausdrücklich hervor, dass die Verschmel¬ 
zung hier nicht länger als eine Hypothese aufgefasst werden dürfe, 
welche die genannten Schwierigkeiten erklären solle, sondern eine 
sinnliche Erscheinung sei, die selbst beobachtet und mit anderen 
derselben Art verglichen werden kann, und die man nur kennen 
lernen kann, indem man sie selbst hört1). Aber Stumpf stellt die 
Verschmelzung der Töne in noch höherem Grade in Gegensatz zu 
gewöhnlicher Verschmelzung — auf jeden Fall nach der Weise, auf 
welche wir dieselbe auffassen. Während nämlich gewöhnlich Ver¬ 
schmelzung und Analyse als bestimmte Gegensätze dastehen, von 
denen der eine in demselben Verhältnisse zu sein oder zu wirken 
aufhören muss, wie der andere vorwärts schreitet, stellt sich die 
Sache nach Stumpf’s Meinung auf dem Gebiete der Töne folgender¬ 
maßen: die Verschmelzung erschwert allerdings die Analyse, aber die 
Analyse verringert die Verschmelzung nicht im mindesten, die im 
Gegentheil erst recht deutlich wird, wenn die Analyse vollendet 
ist. Er sagt so hinsichtlich der Verschmelzung zweier Töne: 
»---dass es sich nicht bloß um eine Schwierigkeit handelt, 
die durch gesteigerte Aufmerksamkeit und Uebung beseitigt werden 
könnte, sondern um eine unveränderliche Eigenthümlichkeit des Em¬ 
pfindungsmateriales, welche immer noch übrig bleibt, wenn alle an¬ 
deren Hindernisse der Analyse beseitigt werden, und welche gerade, 
1) »Tonpsychologie« U, S. 129.
        

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