Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeitschwellen gleichartiger und disparater Sinneseindrücke: Zeitschwellen des Gesichtssinnes
Person:
Weyer, Eduard M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4273/49/
Die Zeitschwellen gleichartiger und disparater Sinneseindrücke. 
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HL. 
Die Länge der Nervenbahnen von den betreffenden Sinnes¬ 
organen zum Gehirn sind annähernd gleich, und die Dauer der Ge¬ 
hörsempfindung ist so kurz, dass wir sie außer Betracht lassen können. 
Das Licht brauchte aber mehr Zeit eine Empfindung zu erzeugen 
als das Geräusch, und hei der Differenz, welche zwischen diesen Zeit¬ 
mengen entstand, war das psychische Intervall — d. h. das Intervall 
zwischen den Entstehungen der Empfindungen im Gehirn — größer 
als das Zeitschwellenintervall. Wie groß sich diese Zeitdifferenz 
beläuft, ist nicht genau zu ermitteln. Wir fanden, dass die Schwelle 
für TH der einen Versuchsperson 15 a und die der andern 4 a länger 
war, als ihre eignen Werthe für TL. Diese Zahlen mögen aber 
nicht als entscheidend gelten, da dieselben durch andere Eactoren 
beeinflusst werden könnten. Die Reactionen auf Lichteindrücke sind 
nach den Ergebnissen von von Kries und Auerbach1) etwa 70a 
länger als auf die Schalleindrücke. Dagegen fand Donders einen 
Unterschied von bloß 8 a zwischen denselben Reactionen. Wie groß 
auch immer die Verzögerung betreffs des Lichteindruckes sei, so 
darf man doch sagen, dass, wenn das psychische Intervall für HL 
von derselben Größenordnung wie das für TL wäre, so würde die 
Schwellenlage nicht weit von dem Intervall Null liegen und höchst 
wahrscheinlich sogar .einen negativen Werth besitzen. Dieses ist aber 
gar nicht der Fall. Hier zum ersten Mal in der Betrachtung be¬ 
gegnen wir einer Schwelle, deren entsprechendes psychisches Intervall 
eine sehr ansehnliche Länge hat. Als beide Reize gleichzeitig er¬ 
zeugt wurden, urtheilten die Versuchspersonen, dass das Geräusch 
bei möglichst angestrengter Fixation manchmal vorankomme. Die 
Ergebnisse bei den kleinen Intervallen waren aber zu ungeordnet, 
um zuverlässige Schlüsse daraus zu ziehen. Bei fernerer Unter¬ 
suchung fand ich, dass die Lage der Schwelle außerordentlich ver¬ 
änderlich war. Ich versuchte daher, einige Schwellenbestimmungen, 
welche andere Forscher gemacht hatten, zu wiederholen. 
Aus dem Inhalt ihrer Arbeiten kann man jedoch wegen der 
lückenhaften Angaben über die Versuchsanordnung und über den 
1) Archiv für Physiologie. 1877. S. 359.
        

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