Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die “Verschmelzung“ von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken: I. Stumpfs u. A. Darstellungen der “Verschmelzung“.
Person:
Buch, Ejnar
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4271/9/
Ueber die »Verschmelzung« von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken. 9 
Untersuchung wie dieser von besonderer Wichtigkeit, dass man nicht 
von vornherein willkürlich eine Grenze dafür festsetzt, welche Er¬ 
scheinungen man mit in Betracht ziehen und welche man ausschließen 
will, sondern dass man, mit Ausschluss aller anderen, gerade alle 
diejenigen zu vereinigen sucht, welche, wirklich verwandt sind und 
von demselben Gesichtspunkte aus betrachtet werden können. Aber 
gerade in dieser Hinsicht scheint es uns, dass sich Külpe etwas ver¬ 
sündigt hat, indem er damit beginnt, eine recht willkürliche und 
scharf begrenzte Definition von Verschmelzung zu geben, ohne ge¬ 
nügende Rücksicht darauf, ob dabei das, was natürlich zusammen¬ 
gehört, auch zusammenkommt. Die Folge ist denn auch, dass er 
Verschmelzungen zwischen Gefühlstönen und Empfindungen annimmt, 
von denen nicht behauptet werden kann, dass sie natürlich mit den¬ 
jenigen Verschmelzungen zusammengehören, von denen wir sonst Bei¬ 
spiele kennen lernten; und auf der anderen Seite schließt Külpe Ver¬ 
schmelzungen zwischen Empfindungen aus, die unmittelbar auf ein¬ 
ander folgen, wozu von vornherein kein Grund vorliegt, weil es in 
Wirklichkeit rein sprachlich ist, wenn wir einen scharfen Unterschied 
zwischen »gleichzeitig« und »rasch auf einander folgend« machen. 
Sehen wir nun ab von diesen etwas unbegründeten Abweichungen 
bei Külpe, so müssen wir sagen, dass es im Großen und Ganzen 
dieselben seelischen Erscheinungen sind, welche die verschiedenen Ver¬ 
fasser bei ihren Behandlungen der Verschmelzungsfrage vor Augen 
gehabt haben: sie haben bemerkt, dass Empfindungen, welche gleich¬ 
zeitig sind oder unmittelbar auf einander folgen, nicht wie sonst klar 
und deutlich jede für sich auf gefasst werden, sondern eher als eine 
Art Ganzheit auf treten, als Eine Vorstellung oder Vorstellungsmasse, 
die sich nur bei Entfaltung einer besonderen Thätigkeit in einzelnere 
Theile auflöst — und dieses Verhältnis haben sie mit dem Ausdrucke 
Verschmelzung bezeichnet. 
Dass es nun wirklich eine Thatsache ist, dass Empfindungen 
nicht so klar und deutlich aufgefasst werden, wenn sie gleichzeitig1) 
1) Im Folgenden werden wir uns der Kürze wegen, wenn etwas anderes 
nicht ausdrücklich bemerkt wird oder aus dem Zusammenhänge hervorgeht, mit 
dem Worte »gleichzeitig« als Bezeichnung für Empfindungen begnügen, die sich 
in der Zeit so nahe liegen, dass Verschmelzung zwischen ihnen stattfinden kann.
        

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