Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die “Verschmelzung“ von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken: I. Stumpfs u. A. Darstellungen der “Verschmelzung“.
Person:
Buch, Ejnar
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4271/63/
Ueber die »Verschmelzung« von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken. 63 
Als einen Gegensatz zu dem Gesichtssinne können wir den Ge¬ 
schmack in Verbindung mit den Geruchs- und Berührungsempfin¬ 
dungen und ähnliches nennen, die so oft in die Geschmacksvorstel¬ 
lungen eingehen. Während nämlich die Gesichtseindrücke uns erst 
nach vielen Beobachtungen, vielen Erfahrungen eine so gute Kenntniss 
unserer Umgebung verschaffen, dass wir unsere Handlungen darnach 
richten können, bestimmen die Geschmacksempfindungen unsere Hand¬ 
lungsweise gegenüber dem einwirkenden Gegenstände rein unmittelbar: 
Anstrengungen, ihn uns zu sichern und ihn zu verzehren, wenn sein 
Geschmack angenehm ist, ahwehrende Bewegungen und ähnliches, 
wenn sein Geschmack unangenehm ist; und eine eingehendere Kennt¬ 
niss der Geschmacksempfindungen, eine aufmerksame Beobachtung 
derselben hat, auf jeden Fall auf der ersten Entwickelungsstufe des 
Bewusstseinslebens, keinerlei praktischen Werth, weil es gleichwohl 
nur der angenehme oder unangenehme Charakter des Geschmackes 
ist, der die Handlungsweise bestimmen wird. Die weiteren nützlichen 
oder schädlichen Wirkungen der verschiedenen Nahrungsmittel liegen 
nämlich meist in Zeit und Raum so fern von den Geschmacksempfin¬ 
dungen, dass man sie erst auf einem sehr späten Standpunkte in 
Verbindung mit diesen setzen lernt. 
Anfangs steht der Geschmack also in recht scharfem Gegensätze 
zu dem Gesichtssinne. Jedoch gleicht sich dieser Gegensatz nach 
und nach etwas aus,, je nachdem man Kenntniss der weiteren Wir¬ 
kungen der Lebensrnittel zu erwerben beginnt: der Geschmack fängt 
nun auch an, Bedeutung als Wiedererkennungs- oder, wenn man 
will, Erkenntnissmittel zu gewinnen. Jedoch wird diese Bedeutung nie¬ 
mals groß sein, da dieselbe Erkenntniss auf anderem Wege, mit Hülfe 
des Gesichts u. s. w., in der Regel sowohl leichter als auch sicherer 
zu erlangen ist ; es wird fortwährend in oberster Reihe der angenehme 
oder unangenehme Charakter des Geschmackes sein, woran sich unser 
Interesse knüpft. Aber mag uns nun auch der Geschmack als Wieder¬ 
erkennungsmittel dienen; eine gründlichere Analyse braucht gleich¬ 
wohl durchaus nicht zu Stande zu kommen; denn es sind die ver¬ 
schiedenen Stoffe, deren Geschmack oft sehr zusammengesetzt ist, 
die es wieder zu erkennen gilt; und dies geschieht eben am besten 
Hut Hülfe des Gesammteindruckes oder eines einzelnen besonders 
ßigenthümlichen Bestandtheiles desselben und erfordert somit keine
        

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