Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die “Verschmelzung“ von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken: I. Stumpfs u. A. Darstellungen der “Verschmelzung“.
Person:
Buch, Ejnar
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4271/44/
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Ejnar Buch. 
eine unverkennbare associative Verbindung zwischen dem betreffenden 
Gegenstände und dem zugerufenen Worte bestand1). Natürlich muss 
man nun mit Versuchsresultaten wie diesen, die sich so schwer con- 
troliren lassen, etwas vorsichtig sein. Aber unwahrscheinlich ist es 
ja durchaus nicht, dass die Empfänglichkeit für einen Eindruck erhöht 
wird, wenn derselbe in Verbindung mit Vorstellungen steht, die das 
Bewusstsein beschäftigen oder eben beschäftigt haben. 
Können aber Vorstellungen, die in Verbindung mit dem Ein¬ 
drücke stehen, dazu beitragen, diesen zu fördern, so muss man noch 
eher eine Erhöhung der Empfänglichkeit erwarten, wenn der Eindruck 
selbst kürzlich im Bewusstsein vorhanden gewesen ist. Ueberhaupt 
kann es kaum ganz gleichgültig sein, ob sich ein Eindruck vorher 
geltend gemacht hat oder nicht; und es würde wohl nicht ganz un¬ 
wahrscheinlich sein, dass sich das bekannte Gesetz für die Hervor- 
rufung von Associationen auch auf die Eindrücke überführen heß, 
so dass also die Empfänglichkeit für einen Sinneseindruck um so 
größer wäre, je häufiger derselbe vorher im Bewusstsein aufgetreten 
ist. Ja, man könnte vielleicht sogar einen Schritt weiter gehen und 
behaupten, dass ein Eindruck, der sofort zahlreiche Associationen 
hervorruft und im Ganzen in vielen Hinsichten Anknüpfung an das 
übrige Bewusstseinsleben findet und dieses in lebhafte Bewegung setzt, 
größere Aussicht haben wird, sich geltend zu machen, als der, welcher 
so zu sagen fremd im Bewusstsein dasteht, ohne Associationen, ohne 
Anknüpfung an den Bewusstseinsinhalt sonst. In dieser Hinsicht 
kann namentlich daran erinnert werden, wie außerordentlich ver¬ 
schieden der kundige und der unkundige Beobachter auf ein und 
dasselbe Ding sieht : eine Blume, ein Kunstwerk u. s. w. ; der kundige 
bemerkt sofort eine Menge Einzelheiten, die der unkundige vielleicht 
erst entdeckt, wenn er darauf aufmerksam gemacht wird u. s. w., u. s. w. 
Allerdings könnte man gegen diese Behauptung: dass die Empfäng¬ 
lichkeit für einen Eindruck von den Verbindungen abbängen kann, 
welche derselbe mit dem übrigen Bewusstseinsleben hat, den Einwand 
erheben, dass die Associationen u. a. unmöglich als Stütze für den 
Eindruck dienen können, welcher sie hervorruft, da sie ja selbst doch 
erst hervorgerufen werden können, wenn der Eindruck sich einen Weg 
1) »Beiträge zur experimentellen Psychologie«. Heft 4, 1892, S. 13—17.
        

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