Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die “Verschmelzung“ von Empfindungen, besonders bei Klangeindrücken: I. Stumpfs u. A. Darstellungen der “Verschmelzung“.
Person:
Buch, Ejnar
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4271/26/
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Ejnar Buch. 
Aufmerksamkeitseinstellung nothwendigerweise folgen, noch mehr ver¬ 
stärkt werden. Um dieses steigende Unlustgefühl zu überwinden und 
die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, haben wir nun nur das 
ursprüngliche Interesse, das die Aufmerksamkeit von Anfang an 
hervorgerufen hat. Und hier begegnen wir noch einer neuen 
Schwierigkeit darin, dass dieses Interesse nicht unmittelbar mit dem 
Eindrücke seihst verknüpft ist. Denn es ist offenbar, dass in dem¬ 
selben Grade, in welchem die Aufmerksamkeit auf diesen Eindruck 
gerichtet wird, der Vorstellungskreis mit zugehörigen Gefühlstönen 
u. s. w., welcher »das leitende Interesse« ausmacht, im Bewusstsein 
zurücktreten muss. Aber wenn dies geschieht, verliert die Aufmerk¬ 
samkeit zu einem wesentlichen Theile ihre Stütze ; und die ver¬ 
schiedenen Eindrücke und Vorstellungen, die bisher durch die Hem¬ 
mung zurückgehalten worden sind, werden sich nun geltend machen 
und in den Vordergrund drängen können. Gewöhnlich wird sich 
dann »das Interesse« sofort aufs neue erheben und die Aufmerksam¬ 
keit wieder herstellen; und so wird es einige Zeit dauern können — 
im Anfänge vielleicht mit kaum bemerkbaren Schwankungen, weil 
die genannten Unlustgefühle noch ganz schwach sind und das Inter¬ 
esse sofort bereit ist, einzugreifen, sobald die geringste Erschlaffung 
in der Aufmerksamkeit eintritt; aber lange dauert es, wie die Ver¬ 
suche zeigen, nicht, bis die Schwankungen so groß werden, dass man 
nicht mehr von beständiger Aufmerksamkeit sprechen kann. 
Unsere beiden letzten Beispiele haben uns also — abgesehen da¬ 
von, dass sie zugleich zur Beleuchtung des Unterschiedes zwischen 
willkürlicher und unwillkürlicher Aufmerksamkeit dienen, — theils 
einen gründlicheren Einblick darein gewährt, wie bedeutungsvoll und 
eingreifend der Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeit und Inter¬ 
esse ist, theils uns gezeigt, wie schwierig es ist, die Aufmerksamkeit 
aufrecht zu erhalten, wenn sowohl Einstellung wie Eindruck längere 
Zeit unverändert gehalten werden. Aber sie gehen uns zugleich An¬ 
lass zu noch ein paar Bemerkungen. 
Dass wir im Aufmerksamkeitszustande immer eine Einschränkung 
des Vorstellungsgebietes, eine Absperrung von einer Menge »fremder« 
Eindrücke und Vorstellungen haben, ist oft genug erwähnt und be¬ 
wiesen worden. Aber in Wirklichkeit tritt diese Einschränkung auf 
eine doppelte Weise auf. Die eine haben wir am deutlichsten in
        

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