Bauhaus-Universität Weimar

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wird, ist dasjenige, was ich als Contrastwirkung bezeichne, einfach 
die modificirende Wirkung, welche die Auffassung einer 
sich vollziehenden Blickhewegung durch die gleichzeitig 
gegebene (der Wahrnehmung eines Schenkelpaares oder auch eines 
einzelnen Schenkels zu verdankende) Vorstellung einer anderen 
Blickhewegung erleidet. Dass aber hierbei der Contrasthegriff 
nicht in einer neuen, sondern eben in der altbekannten Bedeutung 
verwendet wird, dürfte vielleicht aus folgender Erörterung noch etwas 
deutlicher werden. 
Zur Orientirung wähle ich einen allgemein bekannten Fall von 
Bewegungscontrast. Wenn ich durch längere Wahrnehmung einer 
A 
B 
in der Richtung AB verlaufenden Bewegung eine lebhafte Vorstel¬ 
lung von derselben gewinne, und dann einen beliebigen Gegenstand 
fixire, so scheint mir derselbe, wenn ruhend, sich in der Richtung 
von B nach A zu bewegen, wenn aber in der Richtung AB bezw. 
BA sich bewegend, in langsamerer bezw. schnellerer Bewegung be¬ 
griffen als thatsächlich der Fall ist. Oder mit anderen Worten: statt 
der Blickbewegung, welche ich thatsächlich ausführe (und welche in 
einer oder der anderen Richtung verlaufen, auch == 0 sein kann), 
glaube ich eine Blickbewegung auszuführen, welche sich als die alge¬ 
braische Summe jener und einer Bewegung in der Richtung BA 
construiren lässt. — Dies wolle man nun scharf im Auge behalten, 
und dann auf den vorliegenden Fall anwenden. Es sei Einem die 
Aufgabe gestellt, eine Linie BQ, der ein Schenkel PR angesetzt ist, 
Q 
in der Richtung von P nach Q mit dem Blicke abzumessen. Beim 
Anfang der Blickbewegung zieht R die Aufmerksamkeit auf sich, und 
es entsteht, ähnlich wie im vorigen Fall, die lebhafte Vorstellung 
einer Blickbewegung in der Richtung PR, also von links unten nach 
rechts oben; wenn aber diese Vorstellung in gleicher Weise wie jene 
wirkt, so muss sie die wirklich ausgeführte Blickbewegung PQ in
        

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