Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Fechner‘s Collectivmaßlehre und die Vertheilungsgesetze der Collectivgegenstände
Person:
Lipps, Gottlieb Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4267/3/
Ueber Fechner’s Collectivmaßlehre u. die Vertheilungsgesetze der Collectivgegenstände. 581 
Da ein C.-G. aus unbestimmt vielen Exemplaren besteht, so er¬ 
fordert seine Beschaffung stets Abzählungen oder Messungen an einer 
großen Menge einzelner Gegenstände. Sie beruht auf Massenbeob¬ 
achtung und ist demzufolge als eine Aufgabe der Statistik zu be¬ 
zeichnen. 
Sofern nun die statistischen Erhebungen vorzugsweise das ge¬ 
sellschaftliche und wirthschaftliche Leben betreffen, wird man zunächst 
die hier zu Tag tretenden Massenerscheinungen, soweit sie nach Zufall 
variiren, mit gleichem Rechte wie die Witterungsphänomene als O.-G. 
auffassen und der Collectivmaßlehre unterstellen. Beispielsweise 
liefern die Schwankungen der Getreidepreise um einen Normalwerth 
unter ähnlichen Bedingungen einen C.-G. wie die Schwankungen des 
Thermometerstandes um den Normalstand. Hier wie dort sind zu¬ 
fällig wechselnde Erscheinungen von periodisch wiederkehrenden zu 
sondern und auf das Zutreffen der allgemeinen, für C.-G. geltenden 
Gesetzlichkeiten zu prüfen. Entsprechendes gilt für die Schwankungen 
in der Anzahl der Geburten, Eheschließungen, Todesfälle für eine 
örtliche und zeitliche Umgrenzung. 
Die Statistik reicht jedoch weiter als die Lehre vom gesellschaft¬ 
lichen und wirtschaftlichen Leben; und so wird man denn über¬ 
haupt jedes Wissensgebiet, in welchem statistische Zählungen und 
Messungen, oder kurz Massenbeobachtungen, den Erkenntnissinhalt 
vermitteln, als ein Anwendungsgebiet der Collectivmaßlehre betrachten 
dürfen. Allerdings ist die Verwendbarkeit ihrer Untersuchungs¬ 
methoden nicht ohne weiteres vorauszusetzen, sondern erst kritisch zu 
prüfen. Dabei ist als Grundbedingung festzuhalten, dass die Ver- >, 
änderlichkeit der beobachteten Werthe ein Spiel des Zufalls und 
nicht eine gesetzmäßige Wirkung bekannter Ursachen sei. Jedenfalls 
aber hat man in jedem, auf Statistik beruhenden Wissensgebiete die 
Möglichkeit einer Anwendung der Collectivmaßlehre in Betracht zu 
ziehen. 
§ 2. Um nun einen Einblick in die Lehre Eechner’s zu ge¬ 
winnen, ist zunächst die Beschaffenheit der O.-G. klarzulegen. 
Da es sich um eine Maßlehre handelt, kommen die Exemplare 
der C.-G. nur, soweit sie Maßbestimmungen gestatten, in Betracht. 
Sie treten somit als räumliche oder zeitliche, extensive oder intensive 
Quanta auf. Sie stellen dabei ein- oder mehrdimensionale Größen
        

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