Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber das Purkinje'sche Phänomen im Centrum der Netzhaut
Person:
Shermann, Frederic David
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4263/44/
Ueber das Purkinje’sche Phänomen im Centrum der Netzhaut. 477 
unterscheiden. Im directen Sehen stimmen Roth und Grün und 
Blau überein, aber die Schwellen des Roth sind hei der größeren 
Spaltöffnung nicht um so vieles verringert. Im directen Sehen steht 
Roth im Gegensätze zu Grün. Auch waren im allgemeinen das 
größere Gesichtsfeld und die größere Lichtstärke günstiger für die 
Wahrnehmung des Grün und Blau, als für die des Roth. Doch be¬ 
zieht sich auch dies vielleicht wieder auf die größere Reizbarkeit für 
Roth. Was den Einfluss der Dunkeladaptation betrifft, so ist, wenn 
wir berücksichtigen, dass die Sectoren nur jedes Mal um 10° ver¬ 
größert wurden und das Tageslicht mehr oder weniger schwankte, 
die Uebereinstimmung im directen Sehen sicherlich sehr auffallend. 
Die Einzelbestimmungen der verschiedenen Versuchspersonen, eine 
nach der anderen, müssen in Tabelle VH durchgegangen werden, 
um zu ersehen, wie wenig sie variiren. Dass eine Adaptation im 
Centrum stattgefunden hatte, ist durch wiederholte Versuche be¬ 
wiesen worden, da sich zeigte, dass erst, nachdem die Versuchsperson 
3—4 Minuten durch das Rohr gesehen hatte, eine Earbe bemerkbar 
wurde. Die geringe Intensität des Lichtes verhindert die Zerstörung 
der Adaptation; aber dass eine solche vollständige Uebereinstimmung 
zwischen der Wahrnehmung bei Dunkel- wie bei Helladaptation statt¬ 
fand, konnte nicht erwartet werden. Diese Resultate sind also eine 
Bestätigung der Beobachtungen von C. Ladd-Franklin1), von 
Parinaud2) und von Koster3), dass das dunkeladaptirte Auge die 
Farben im Centrum in genau demselben Verhältniss wie das hell- 
adaptirte Auge sieht. Auch Salomons4) bestätigt die Unabhängig¬ 
keit von der Lichtintensität bei der Farbenwahrnehmung. Ferner ist 
in dieser Beziehung zu erwähnen, dass neuerdings Treitel5) die Be¬ 
hauptung aufgestellt hat, dass eine langsamere Adaptation in der 
Fovea centralis bei Abnahme der absoluten Helligkeit die alleinige 
Ursache des feineren Lichtsinns der Peripherie sei. Auch Erd¬ 
mann6) hat dies angedeutet. Doch ist hier zu betonen, dass meine 
1) Ladd-Franklin, Psychological Review, March 1896, S. 231. 
2) Parinaud, a. a. O. Rev. Scient. IV, 3. 1895. 1. S. 713. 
3) Röster, a. a. O., S. 19. 
4) Salomons, The Saturation of Colors (Psychological Review, Jan. 1896. 
S. 51). 
5) Ueber den Lichtsinn der Netzhautperipherie. Arch. f. Ophthalm. 35. 1. S. 71. 
6) Centralblatt für prakt. Augenheilk. April-Mai 1884, S. 120.
        

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