Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Bedeutung der Convergenz- und Accommodationsbewegungen für die Tiefenwahrnehmung, Schluss
Person:
Arrer, Maximilian
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4260/47/
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Maximilian Arrer. 
trächtlich von jenen abweichen, dürfte ein Beweis dafür sein, dass 
die dort gewonnenen Resultate nicht allein das Ergebniss des be¬ 
stimmten und bewussten Verfahrens von Seiten des Beobachters sind. 
§ 45. Aber auch dieser zweite Beweis dürfte Manchem unge¬ 
nügend erscheinen, da die Bedingungen immerhin allzu wenig von 
denen der zuerst mitgetheilten Versuche verschieden sind. So scheint 
es denn geboten, die Versuchsbedingungen abzuändern, und die ganze 
Versuchsanordnung so zu gestalten, dass das Unterscheiden von secun- 
dären Raumgestalten dem Beobachter überhaupt nicht möglich ist. 
Aber, so wird man andrerseits fragen können, wird es denn möglich 
sein den Beobachter Urtheile über Raumverhältnisse abgeben zu lassen, 
wo solche s. z. s. nicht mehr zu unterscheiden sind? Dennoch zeigt 
die Geschichte unseres Problems, dass etwas Aehnliches versucht 
wurde. Dieser Versuch und seine Ergebnisse sollen im Folgenden 
behandelt und dazu verwendet werden, einen letzten und endgültigen 
Beweis in negativer Form für das zu erbringen, was bis jetzt mehr 
oder weniger positiv zu stützen versucht wurde. 
c. Die Versuche von Hillebrand. 
§ 46. Als Hering in Weiterbildung der von Panum schon 
ausgesprochenen Annahme specifischer Ortsempfindungen dazu kam, 
reine Tiefenempfindungen in seine Theorie einzuführen, stellte sich 
ihm naturgemäß auch die Aufgabe, das Tiefensehen mittelst dieser 
reinen »Tiefengefühle« zu untersuchen. Die Aufgabe wird aber 
schwierig; wo dem Auge Flächen, Striche, Punkte als Objecte ge¬ 
geben werden, da ist der gewaltige Einfluss des erworbenen Tiefen¬ 
sehens nicht zu eliminiren'). Deshalb bieten sich als geeignet 
für die Untersuchung der ursprünglichen Tiefenwahrnehmung nur 
solche Objecte und Bedingungen, wo »Alles ausgeschlossen wird, was 
das erworbene Tiefensehen in Thätigkeit versetzt«1 2). Solche Objecte 
sind die farblosen und raumleeren Umrisse von Bildern, d. h. »die 
an sich farblose und raumleere Grenze zwischen zwei Farben«3), sie 
sind in der Wirklichkeit gegebene mathematische Linien. 
1) Hering, Beiträge V. S. 287f. 
2) Ibid S. 288. 
3) Ibid.
        

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