Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Bedeutung der Convergenz- und Accommodationsbewegungen für die Tiefenwahrnehmung, Schluss
Person:
Arrer, Maximilian
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4260/43/
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Maximilian Arrer. 
Entfernung zu vergleichen, so könne er jeden beliehigen der beiden 
Fäden »näher« oder »weiter« als den andern sehen. 
Dass der Beobachter im ersten Augenblick oft wohl einen Unter¬ 
schied der Entfernungen wahrnimmt, nicht aber angehen kann, welches 
Object das fernere und welches das nähere ist, scheint mir nicht 
selten darauf zu beruhen, dass die Aufmerksamkeit in der kurzen 
Zeit eines ersten Augenblicks noch nicht ausschließlich auf die Ob¬ 
jecte selbst gerichtet war. Was ich meine, ist: der Beobachter wirft 
seinen Blick durch das Blickrohr und sieht dort ein räumliches Bild, 
in dem sich ihm auch Tiefenunterschiede darbieten. Um dann genau 
zu erkennen, welches Object näher und welches weiter ist, fixirt er 
bald das eine bald das andere, wobei ihm das fixirte meist näher 
erscheint. Das gilt natürlich nur für Entfernungsunterschiede, die 
hart an den in der Tabelle gegebenen Schwellenwerthen liegen, diese 
aber noch nicht erreichen. 
Endlich kam es vor, dass beim Uebergang von Entfernung zu 
Annäherung oder umgekehrt früher abgegebene Urtheile corrigirt 
und in ihr Gregentheil verwandelt wurden, weil, so meinte der Be¬ 
obachter, die Eindrücke verschieden seien. Alles dies bemerkte in 
dieser ausgesprochenen Weise auch Herr Hicks, mit dem ich ge¬ 
legentlich solche Versuche ausführte. Wie weit solche Verhältnisse 
hei den andern Beobachtern mitspielten, war mir nicht eruirbar, da 
einige von ihnen mir nicht mehr zur Verfügung standen, als ich mit 
Herrn Tawney arbeitete, und bei andern, wie hei den Herren Spitzer 
und Thie'ry, in den rein objectiven Ergebnissen Andeutungen dazu 
fehlen. Die Vergleichung der Ergebnisse des Herrn Fruit zeigt, 
dass die Entfernung genauer geschätzt wurde bei der Vergleichung 
aus dem Gredächtniss, als bei der directen Vergleichung, umgekehrt 
die Annäherung. 
Besonders hemerkenswerth ist es endlich, dass Herr Kiesow, 
der, wie wir sahen, ganz unfähig war nacheinander gezeigte Ent¬ 
fernungen in ihrem Unterschiede zu erkennen, dies nun konnte, wenn 
die Vergleichung eine directe war. Und dabei zeigen seine Ergeb¬ 
nisse nichts von denen anderer Beobachter Abweichendes. 
Die Herren Spitzer, Kiesow und Fruit beschrieben ihr Ver¬ 
fahren bei diesen Versuchen in der Weise, dass sie zunächst den 
Faden der Normal distanz fixiren und dann zur Vergleichsdistanz
        

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