Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Wahrnehmung zweier Punkte mittelst des Tastsinnes, mit Rücksicht auf die Frage der Uebung und die Entstehung der Vexirfehler
Person:
Tawney, Guy A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4258/6/
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Guy A. Tawney. 
mechanischen Schwierigkeiten gibt es jedoch auch andere Gründe, 
die dies nicht lohnend machen. Verschiedene Hautstellen besitzen 
nämlich für Druckempfindungen ganz verschiedene Empfindlichkeit, 
so dass dieselbe Druckstärke auf verschiedenen Hautstellen ganz ver¬ 
schiedene Empfindungsintensitäten erzeugt. So groß sind diese Ab¬ 
weichungen in der Sensibilität der Hautstellen, dass sehr oft in einem 
einzelnen Versuch die zwei Spitzen zwei Empfindungen von deutlich 
erkennbar verschiedenen Intensitäten erzeugten. Auf den Schulter¬ 
blättern z. B. wurde versucht, gleiche Intensitäten von zwei in einer 
horizontalen Linie liegenden Empfindungen durch tiefes Drücken der 
inneren Spitze herzustellen. Bei diesem Versuch stellte sich folgendes 
heraus: Während die äußere Spitze ganz leise die Haut berührte und 
die innere so tief aufgedrückt wurde, dass sie die Haut fast zu ver¬ 
wunden schien, empfand die Versuchsperson die äußere Spitze be¬ 
deutend intensiver als die innere. Es ist von Külpe hervorgehoben, 
dass »eine reinliche Untersuchung der Baumschwelle die gleiche sub¬ 
jective Intensität überall hersteilen muss«1). Doch werden die 
Empfindungen auf dem Bücken z. B. schmerzhaft, ehe sie dieselbe 
gleiche subjective Intensität erreicht haben wie die aus mittelstarken 
Berührungen entstehenden Empfindungen auf den Fingerspitzen oder 
auf der Zunge. Es wäre eine lohnende Aufgabe, die verschiedenen 
Empfindlichkeiten verschiedener Hautstellen für einfache Druckreize 
zu untersuchen. Bei der vorhegenden Arbeit aber glauben wir, 
dass die subjectiv scheinbare Intensität der Empfindungen eine viel 
geringere Bolle spielt als die Klarheit und Deutlichkeit derselben. 
Diese sind der Intensität der Empfindungen nicht durchaus pro¬ 
portional. Zwischen einem Beiz, der bloß empfunden wird, und 
einem Beiz, der schmerzhaft ist, gibt es auf jeder Hautstelle einen 
mittleren Beiz, der für die Wahrnehmung zweier Punkte am günstig¬ 
sten ist, und dieser Beiz entspricht entschieden nicht bei jeder 
Hautstelle derselben äußeren Druckstärke. Wie wird nun dieser 
mittlere Beiz festgestellt? Er ist ebenso verschieden bei verschie¬ 
denen Hautstellen derselben Versuchsperson wie hei derselben Haut¬ 
stelle verschiedener Versuchspersonen; und er ist hei derselben 
Hautstelle derselben Versuchsperson verschieden bei verschiedenen 
1) Grundriss der Psychologie. Leipzig 1893. S. 352.
        

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