Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Wahrnehmung zweier Punkte mittelst des Tastsinnes, mit Rücksicht auf die Frage der Uebung und die Entstehung der Vexirfehler
Person:
Tawney, Guy A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4258/5/
Ueber die Wahrnehmung zweier Punkte mittelst des Tastsinnes etc. 
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Es sei schon an dieser Stelle hervorgehoben, dass die Zeitdauer 
4es Aufsetzens der Spitzen in der Regel auf das Urtheil keinen be¬ 
trächtlichen Einfluss auszuüben scheint. Auf einige interessante Er¬ 
scheinungen in dieser Hinsicht werden wir noch später zurückkommen. 
jfur dies sei bemerkt, dass, wenn die Versuchsperson wegen früherer 
Versuche oder Suggestion eine gewisse Dauer des Aufsetzens erwartete 
und die Spitzen nur für eine viel kürzere Zeit thatsächlich aufgesetzt 
wurden, sie entweder kein oder höchstens nur ein sehr unsicheres 
Urtheil abgehen kann. Im umgekehrten Falle gibt sie das Urtheil 
ab, bevor die Spitzen weggenommen werden; aber keine Veränderung 
aus Anlass der Fortdauer des Reizes wurde hei diesen Versuchen 
bemerkt. Wenn die Versuchsperson erwartet, dass die Spitzen nur 
für eine sehr kurze Zeit aufgesetzt werden, und ihre Erwartung that¬ 
sächlich erfüllt wird, so erhält man immer dieselben Resultate wie 
sonst. Die Länge der Zwischenzeit der Versuche kann aber zuweilen 
wegen starker Nachbilder, die bei einigen Versuchspersonen auf treten, 
und auch wegen der Spannung der Erwartung einen gewissen Ein¬ 
fluss haben. Um den Einfluss der Erwartung zu vermeiden, hat 
C amer er schon in ähnlichen Versuchen die Zwischenzeit sehr groß 
gewählt, fünf Minuten und in einer andern Reihe eine halbe Stunde. 
Die Erwartung bildet aber einen Theil der allgemeinen Frage nach 
dem Einfluss der Vorstellungen. Wenn die Versuchsperson schon 
vorher weiß, was für Versuche an ihr gemacht werden, kann eine 
längere Zwischenzeit den Einfluss der Erwartung gar nicht verändern: 
wenn dagegen die Versuchsperson von der Art der Versuche nichts 
vorher weiß, dann beruht die Erwartung auf einem vorhergehenden 
Urtheil, und die Beschaffenheit dieses Urtheils wird die Erwartung 
selbst verändern. 
Eine weitere wichtige Bedingung dieser Versuche ist die Druck¬ 
stärke der Spitzen. Um die inneren Bedingungen der Wahrnehmung 
zu constatiren, ist vor allem nothwendig, dass die zwei Spitzen mit 
gleicher Stärke in dem einzelnen Versuch und mit constanter Stärke 
ln allen Versuchen, die nachher zur Vergleichung kommen, aufgesetzt 
werden. Um dieser Forderung nachzukommen wurde versucht, ein 
besonderes Aesthesiometer herzustellen, das die Stärke des Druckes 
bei jeder Lage des Körpertheils, auf dem die Versuche gemacht 
werden, genau misst. Außer den bekannten sehr beträchtlichen
        

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