Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Bedeutung der Convergenz- und Accommodationsbewegungen für die Tiefenwahrnehmung
Person:
Arrer, Maximilian
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4255/4/
(jeb. d. Bedeutung d. Convergenz- u. Aceommodationsbew. f. d. Tiefenwahrnehmung. 119 
beim monocularen Sehen und dann beim binocularen. Die Ergebnisse 
beider Untersuchungen waren qualitativ und quantitativ wesentlich 
verschieden, und da ferner das Object, das dem Beobachter zur 
Fixation dargeboten wurde, ein dünner Faden, also ein stereoskopi¬ 
scher Effekt, wie Wundt annahm, hier so gut wie nicht vorhanden 
war, so konnte die Verschiedenheit der gewonnenen Besultate hei 
sonst gleichen Bedingungen nur aus den Mitbewegungen des anderen 
Auges, also der Convergenzbewegung beider, erklärt werden. Die 
Untersuchungen von Wundt ergaben ferner, dass die vorgestellte 
Entfernung mit der wirklichen nicht übereinstimmt, wie dies Meyer 
annahm. Endlich hat Wundt auch in die Theorie verändernd ein¬ 
gegriffen. Während nach der bisherigen Theorie die Convergenz- 
empfindungen auf dem Wege der Erfahrung zu Zeichen der Tiefe 
werden sollten, lehrte Wundt eine Synthese dieser Empfindungen 
mit den Netzhauteindrücken der Objecte, so dass in der räumlichen 
Vorstellung dieser letzteren die Convergenzempfindungen diejenigen 
Bewusstseinselemente seien, welche uns die Anschauung der Tiefe 
vermitteln. 
§ 3. Aber neben dieser Meinung, dass die Convergenzhewegungen 
für unser Baumbewusstsein durch Actionen der Augenmuskeln, die 
von Empfindungen gefolgt werden, ihre Bedeutung haben, entwickelte 
sich eine andere, die gerade den letzthervorgehohenen Punkt niedrig 
anschlug, oder auch ganz leugnete. Die Bedeutung, welche die Augen¬ 
muskelempfindungen für das räumliche Sehen überhaupt, besonders 
aber für die Tiefenwahrnehmung erlangt haben, entspringt zunächst 
der Einsicht, dass uns der Gesichtssinn Helligkeiten und Farben 
vermittelt, die nach dem Zeugniss der inneren Wahrnehmung etwas 
von dem Inhalt irgend einer Baumvorstellung gänzlich Verschiedenes 
sind; es kann also die räumliche und vor allem die Tiefenwahrnehmung 
nicht an die Lichtempfindung als solche gebunden sein. Eine Ana¬ 
logie mit dem anderen Sinnesorgan, das uns ebenfalls räumliche 
Anschauungen vermittelt, dem Tastsinn, zu suchen, lag nahe genug. 
Wahrnehmung, in Zeitschr. f. rationelle Mediein von Henle u. Pfeufer. Bd. VIII.; 
und ebendaselbst Bd. XII: Ueber den Einfluss der Convergenz der Sehachsen auf 
die räumliche Tiefenschätzung. Es sind diese Abhandlungen in Wundt’s Bei¬ 
trägen zur Theorie der Sinneswahrnehmung 1862 wieder abgedruckt und werden 
Folgenden aus diesen citirt.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.