Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Kritik der Kinderpsychologie, mit Rücksicht auf neuere Arbeiten
Person:
Eber, Heinrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4253/36/
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Heinrich Eber. 
Gebrauch machen. Und so wird auch die Kinderpsychologie ihre Auf¬ 
gabe, die psychische Entwicklung des Kindes zu erforschen, nur 
dadurch losen können, dass sie auf Grund gesammelter zuverlässiger 
Bewusstseinsthatsachen eben nachzuweisen sucht, wie sich das kind¬ 
liche Bewusstsein entwickelt, d. h. wie sich die einzelnen Formen, 
welche die Bewusstseinsvorgänge des Erwachsenen in einem verhält¬ 
nismäßig vollkommenen Grade zeigen, im kindlichen Bewusstsein 
allmählich herausbilden und differenziren. 
Die psychische Entwicklung des Kindes ist aber der objec- 
tiven Beleuchtung entrückt, wenn man umgekehrt verfährt und 
dieselbe von Anfang an unter den Einfluss eines im Bewusstsein 
des Kindes herrschenden logischen Vermögens stellt. Es wird 
hierdurch zu einer Norm der Entwicklung gestempelt, was lediglich 
als psychologisches Product der Entwicklung erscheint. 
2. Das Gedächtniss und die Associationen. 
Dem Vorherrschen des Classenbegriffes »Gedächtniss« und seiner 
Hypostasirung ist es zuzuschreiben, wenn in unserer heutigen Kinder¬ 
psychologie jene passiven psychischen Processe nicht diejenige Wür¬ 
digung finden, welche ihnen, wie S. 594 erwähnt, nach ihrem domi- 
nirenden Auftreten in den kindlichen Bewusstseinsvorgängen gebührt. 
Hierbei wollen wir, nach allem Gesagten, davon absehen, dass 
unter diesem der Vulgärpsychologie entnommenen Begriff nicht 
selten eine psychische »Kraft« verstanden wird, welche früheres psy¬ 
chisches »Material« herbeiholt etc. Es ist damit eine Vergröberung 
der psychologischen Auffassung verbunden, wie sie am wenigsten 
auf dem Gebiete der Kinderpsychologie berechtigt ist. Aber auch 
in seiner begrifflichen Bedeutung kommt dem »Gedächtniss« ein 
solch weiter Umfang zu, dass schließlich fast alle und damit die 
heterogensten passiven Processe darunter verstanden werden können, 
womit sich dann sehr leicht die Meinung verbindet, mit der Anwen¬ 
dung dieses Begriffes die passiven psychischen Processe genügend 
erklärt zu haben. 
Nun resultirt die psychische Causalität stets in einen unmit¬ 
telbar gegenwärtigen, in unserer Auffassung durch Klarheit 
und Deutlichkeit bevorzugten einheitlichen psychischen Vorgang,
        

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