Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Wahrnehmung von Druckänderungen bei verschiedenen Geschwindigkeiten
Person:
Stratton, Georg M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4251/52/
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George Malcolm Stratton.. 
allgemeine Erfahrung bei äußerst langsamen Veränderungen schon 
andeutet, nämlich, dass, je kleiner die Geschwindigkeit ist, 
um so größer die ehenmerkliche Veränderung sein muss. 
Nach diesen Resultaten ist das ganze Gebiet der Druckänderungen 
einem und demselben Gesetze unterworfen und kann nicht in min¬ 
destens drei einander gegenüber stehende Theile zerlegt werden, 
für deren Verschiedenheit keine zureichende Erklärung abgegeben 
werden könnte*). 
Die hier gefundenen Thatsachen scheinen ihre Erklärung am 
leichtesten durch den allgemeinen Einfluss der Contiguität bei der 
Wahrnehmung von Unterschieden zu finden. Unterschiede sind 
nämlich um so leichter wahrnehmbar, je unmittelbarer die zu ver¬ 
gleichenden Gegenstände (soweit nur eine Verschmelzung derselben 
ausgeschlossen ist) neben einander liegen. 
Der Versuch Preyer’s, dies hei den Veränderungswahrneh- 
mungen auftretende Verhältniss durch eine einfache Erweiterung 
des du Bois-Reymond’schen* 2) Gesetzes auf die Wirkung adäquater 
Reize auf sensible Nerven3) zu erklären, scheint mir nicht aus¬ 
reichend zu sein. Seine Auffassung ist die, dass »der Erfolg einer 
Nervenreizung zu- und abnimmt mit der Geschwindigkeit, mit wel¬ 
cher die Reizgröße sich ändert, und mit dem Abstande der Grenz- 
werthe, innerhalb welcher die positive und negative Schwankung 
der Reizgröße sich vollzieht«4). Die Erhöhung der Unterschieds¬ 
oder Veränderungsschwelle bei Abnahme der Geschwindigkeit der 
Reizänderung wäre demnach also der vermeintlichen Thatsache zu¬ 
zuschreiben, dass hei Abnahme der Geschwindigkeit der Reiz¬ 
änderung die Wirkung gleich großer Reizänderungen auf die 
Empfindungsgröße abnimmt. Der Unterschied zwischen der Anfangs¬ 
und der Schlussintensität einer zu- oder abnehmenden Empfin¬ 
dung soll hiernach um so kleiner sein, je langsamer die bestimmte 
Reizänderung hervorgebracht wird. Um einen gleich großen Em¬ 
il Vergl. S. 558. 
2) du Bois-Reymond, Untersuchungen über thierische Elektricität. Berlin 
1848. Bd. I. S. 258 ff. 
3} W. Preyer, Empfindung als Function der Reizänderung. Zeitschrift 
für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane. Bd. VII. S. 241 ff. 
4) Preyer, a. a. O. S. 244.
        

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