Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Lehre vom Einfluss der Gefühle auf die Vorstellungen und ihren Verlauf
Person:
Störring, Gustav W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4249/2/
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Gustav With. Störring. 
Begleiterscheinungen verbunden, die selbst wieder empfunden wer¬ 
den und gefühlsbetont sind. Wir brauchen bloß an die Resultate 
spbygmographischer, plethysmographischer und pneumatographischer 
Versuche zu erinnern. Es tritt diese Folgeerscheinung hier nur 
nicht so deutlich hervor als bei den durch stärkere Gefühle beding¬ 
ten Affecten. Eine einseitige Bestimmung des VorstellungsVerlaufs 
ist ferner durch einfache Gefühle gleichfalls gegeben, ebenso wie 
eine Aenderung der Schnelligkeit der Reproduction. 
Eine viel geringere einseitige Bestimmung des Vorstellungs¬ 
verlaufs tritt dagegen bei den Stimmungen auf. Sie charakterisiren 
sich nämlich den einfachen Gefühlen und den Affecten gegenüber 
dadurch, dass sie nicht an eine bestimmte Vorstellung gebunden 
sind. Bei einer Analyse der Stimmungen dürften sich folgende 
Componenten ergehen: Bei allen Stimmungen spielen eine große 
Rolle die Organgefühle. Darunter hat man die mit den Organ¬ 
empfindungen verbundenen Gefühlstöne zu verstehen. Mit diesen 
Gefühlstönen verschmelzen diejenigen Gefühle, die sich auf die 
Organempfindungen von den Vorstellungen her übertragen. In diese 
Verschmelzung gehen endlich noch solche mit Vorstellungen ver¬ 
bundene Gefühle ein, die länger persistiren als ihre Vorstellungen. 
Diesen ganzen Gefühlscomplex nennt man Stimmung. 
Da die Gefühle aus nahe liegenden Gründen einer experi¬ 
mentellen Untersuchung schwieriger zugänglich sind als die Em¬ 
pfindungen, so ist es nicht zu verwundern, dass ihre experimentelle 
Behandlung noch wenig eindeutige Resultate ergeben hat. 
Einen gewissen Ersatz hierfür können uns jedoch die patho¬ 
logischen Thatsachen bieten, in denen gewissermaßen die Natur 
für uns Experimente anstellt. Am werthvollsten sind natürlich 
solche Fälle, in denen nur eine Componente primär verändert ist. 
Da zeigen die Folgeerscheinungen, in welche verschiedenen Ur- 
sachencomplexe diese Componente mit eingeht und welche Ver¬ 
änderung ihre Modification in denselben hervorbringt. Die primären 
Aenderungen einer Componente des Seelenlebens sind dabei ent¬ 
weder abnorm starke Grade von auch im gewöhnlichen Seelenleben 
auftretenden Modifikationen — in diesem Falle liegt der Werth 
der Heranziehung des pathologischen Materials in dem deutlicheren 
Hervortreten der Wirkungen des betreffenden veränderten Factors,
        

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