Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur physiologischen Psychologie des Geschmackssinnes, Vierte Mittheilung
Person:
Kiesow, Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4248/5/
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Friedrich Kiesow. 
Ueber die zweite der oben aufgeworfenen Fragen, wie weit Tem¬ 
peraturen in physiologischem Sinne anästhesirend auf die nervösen 
Organe ein wirken können, sind außer wohl veralteten Versuchen 
von Luchtmann1) exacte Untersuchungen bereits von Ernst 
Heinrich Weber ausgefiihrt worden. Dieselben sind niedergelegt 
in seiner bereits oben2) citirten Abhandlung und entstammen dem 
f Jahre 1847. Weber schreibt: »Ich habe gefunden, dass die Ge¬ 
schmacksnerven und die Tastnerven durch Kälte und 
Wärme auf einige Zeit die Fähigkeit verlieren, uns Ge¬ 
schmacksempfindungen und Empfindungen von Wärme 
und Kälte zu verschaffen, und dass wir, wenn die Schleim¬ 
haut der Nase mit Wasser in Berührung gekommen ist, 
auf kurze Zeit den Geruch verlieren3)«. Von Weber’s Unter¬ 
suchungen, die er zugleich auf den Tast- und Geruchssinn aus¬ 
dehnte, interessiren uns hier nur seine innerhalb des Geschmacks¬ 
sinnes gefundenen Resultate. Die betreffende Stelle lautet bei 
Weber: »Wenn man die Zunge in ein mit warmem Wasser ge¬ 
fülltes Gefäß eintaucht, z. B. in eine Temperatur von 40° bis 42° R., 
und sie darin y2 Min. oder 1 Min. oder noch länger erhält und 
dann mit Zuckerpulver, oder mit einem aus Zucker und Wasser 
gemachten Brei in Berührung bringt, so nimmt man keinen süßen 
Geschmack mehr wahr; zugleich bemerkt man, dass der Tastsinn, 
durch dessen Feinheit sich sonst die Zungenspitze vor allen andern 
Theilen des Körpers auszeichnet, unvollkommener geworden ist. 
Dieser Zustand kann 6 Secunden und länger dauern. Bringt man 
dagegen die Zunge auf die nämliche Weise mit dem Zucker in 
Berührung, ohne sie vorher zu erwärmen, so schmeckt man die 
Süßigkeit des Zuckers sehr deutlich. Während des Eintauchens 
entsteht ein eigenthümlicher Wärmeschmerz, der aber augenblick¬ 
lich beim Herausziehen der Zunge aus der Flüssigkeit vergeht und 
nicht mehr stattfindet, wenn man den Zucker mit der Zunge be¬ 
rührt. Die Erscheinung kann daher auch nicht durch eine Ueber- 
täubung der schwächeren Geschmacksempfindung durch den ent- 
1) Specimen physico-medicum etc. 1758. 
2) S. 467 Anmerk. v. Vintschgau, Hermann’s Handb. III. S. 218 f. 
3) a. a. O. S. 342.
        

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