Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Raumwahrnehmungen im Gebiete des Tastsinnes
Person:
Judd, Charles Hubbard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4247/53/
Ueber Raumwahrnehmungen im Gebiete des Tastsinnes. 
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man muss Wundt durchaus zustimmen, wenn er ausfuhrt (Bei¬ 
träge S. 19), dass diese einfachen Baumelemente Czermak’s all¬ 
mählich immer mehr der Auffassung von Lotze’s Localzeichen 
angenähert worden sind. 
Von Funke ist der Versuch gemacht worden, anatomische 
und physiologische Empfindungskreise zu unterscheiden. Er führt 
dies in folgenden Worten aus: »Dann muss man aber diesen Be¬ 
griff eines physiologischen Empfindungskreises (der durch die kleinste 
wahrnehmbare Distanz gemessen wird) streng von demjenigen 
eines anatomischen Empfindungskreises, wie ihn Weber definirt 
hat, auseinanderhalten und darf beide nicht schlechthin identifi- 
ciren. Auf einer Verwechslung oder fälschlichen Identificirung 
beider Begriffe beruhen die meisten Angriffe, welche gegen Weber’s 
Lehre geführt worden sind. Weber seihst hat denselben gewisser¬ 
maßen Vorschub geleistet, indem er selbst beide nicht immer streng 
genug auseinander gehalten hat« 1). Funke’s Definition der physio¬ 
logischen Empfindungskreise ist bereits oben angeführt worden; 
die anatomischen Empfindungskreise beschreibt er folgendermaßen: 
»Der unanfechtbare Vordersatz, von welchem Weber ausgeht, 
lautet, dass eine und dieselbe Nervenfaser, wenn sie gleichzeitig 
von mehreren gesonderten Beizen von verschiedenen Orten aus in 
Erregung versetzt wird, unter allen Umständen nur eine in jeder 
Beziehung einfache Empfindung, nicht mehrere gleichzeitige discrete 
Empfindungen, an welche sich verschiedene Ortsvorstellungen an¬ 
knüpfen können, hervorzubringen vermag«2). 
Obwohl die Existenz von solchen anatomischen Empfindungs¬ 
kreisen durch den Fortschritt der anatomischen Erkenntniss stark 
in Frage gestellt worden ist, so braucht man dieselbe doch noch 
nicht endgültig zu leugnen, sondern kann annehmen, dass die von 
Blitz3) und Goldscheider4) gefundenen Empfindungspunkte als 
solche aufzufassen sind. Es ist jedoch sehr fraglich, ob diese Em¬ 
pfindungspunkte mit jenen einfachen Empfindungsqualitäten, welche 
Lotze als Localzeichen bezeichnet hat, ohne weiteres zu identificiren 
1) Hermann’s Handbuch d. Physiol. Ill, 2. S. 393. 
2) Ebend. S. 388. 
3) Zeitschr. f. Biol. XX. 1884. S. 141 ff. 
4) Areh. f. Anat. u. Phys. Suppl. 1885.
        

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