Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Psychologie des Zeitbewusstseins, Dritte Abhandlung
Person:
Meumann, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4243/97/
Beiträge zur Psychologie des Zeitbewusstseins. 
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Ich deute daher die Resultate der folgenden drei Versuche 
(Horizontalreihe 3, 4 und 5) so, dass der Einfluss einer partiell oder 
ganz objectiven Rhythmisirung der Schalleindrücke, wie er in 
diesen drei Versuchen hervortritt, zugleich angibt, wie der Einfluss 
gelegentlich auftretender rein subjectiver Rhythmisirungen von 
Schalleindrücken aufgefasst werden muss. Nun zeigt der Ausfall 
der drei Versuche, dass unter dem Einfluss der rhythmischen Ord¬ 
nung der Schläge 1) die Schätzung überhaupt genauer wird, beide 
Grenzwerthe verkleinern sich gegen die vorigen Versuche ; dass 
2) die Ueberschätzung der reizerfüllten Zeit entweder bedeutend 
abnimmt oder (Reihe 4) in eine Unterschätzung dieser Zeit um¬ 
schlägt. Damit ist wohl bewiesen, dass meine frühere, damals nur 
auf den Vergleich der Aussagen der Versuchspersonen und der 
objectiven Resultate gestützte Vermuthung, dass die auffallenden 
Unregelmäßigkeiten im Gang der Täuschung bei Schallausfüllung 
auf subjective Rhythmisirung zurückzuführen sind, — eine berech¬ 
tigte war. 
Wichtiger als dieser Rückblick ist eine Betrachtung der 
eminenten Wirkungen des objectiven Rhythmus der Schall¬ 
eindrücke auf die scheinbare Größe der Zeiten. Reihe 3) 
zeigt einen Versuch mit beschleunigtem Rhythmus (die Zwischen¬ 
zeiten verkürzen sich vom ersten Schalleindruck an, ungefähres 
Schema 1--2 — 3 4~5) die Grenzwerthe, bei denen hier die 
Urtheile kleiner und größer constant werden, sind nur wenig größer 
wie die desselben Beobachters im Normalversuch mit »leeren« 
Zeiten. Das Urtheil wird für »leicht und sicher« erklärt. Die ver¬ 
größernde Wirkung der Ausfüllung ist verschwunden. In Reihe 4) 
versuchte ich einen Rhythmus mit retardirendem Charakter ein¬ 
zuführen, um den Eindruck einer Zeitverlängerung durch die Aus¬ 
füllung zu bewirken. Gegen meine Erwartung hatte das den 
gegentheiligen Erfolg. Die Gesammtzeit von 1,0 s ist nämlich zu 
kurz, als dass bei mehrfacher Unterbrechung der Zeit dem Rhyth¬ 
mus noch eine deutlich hervortretende verzögernde Tendenz ge¬ 
geben werden könnte. Der Beobachter fand den verwendeten 
Rhythmus ganz besonders »flott«, dazu kam, dass jetzt nicht mehr, 
wie im vorigen Versuch, die Schallsummation auf den Schluss der 
Zeit fiel, was stets Zeitverlängerung bewirkt. Daher schlägt jetzt 
Wundt, Philos. Studien. XII. 15
        

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