Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Psychologie des Zeitbewusstseins, Dritte Abhandlung
Person:
Meumann, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4243/62/
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Ernst Meumann. 
Klangfarbe markirt wird, er erreicht also eine viel vollkommenere 
Adaptation an die Taktreihe wie die Versuchsperson im Experiment, 
er bleibt beständig in derselben; und 2) führt der Musiker die 
Zeiten (Takte) so aus, wie er sie hören will, beschleunigt 
also die ausgefüllte Zeit. 
Da es leicht ist, nach der von mir früher angegebenen Methode 
die Zeitverhältnisse von Taktirbewegungen sehr genau zu messen 
(vgl. Philos. Stud. X), so bat ich zwei meiner Versuchspersonen, 
Herrn Prof. Kip. und Herrn Rky., auf einem Telegraphentaster 
eine einfache Taktfolge, die möglichst entsprechend den Zeitsinn¬ 
versuchen in Tabelle 1 gegeben wurde, mit dem Zeigefinger zu 
taktiren. (Der Taster gibt einen kurzen scharfen Schlag, der 
vordere Aufschlag desselben wurde mit Filz belegt, um den Doppel¬ 
schlag zu vermeiden1).) Es wurde also eine erste Taktzeit durch 
zwei Schläge auf dem Taster begrenzt, nach einer beliebigen, der 
Versuchsperson bequem erscheinenden Zwischenzeit sollte eine 
zweite, aus drei Taktirbewegungen bestehende Gesammtzeit durch 
Klopfen hergestellt werden, die der ersten genau gleich schien. 
Das Tempo gab ich durch Vorklopfen ungefähr an, doch bat ich, 
ein recht flottes, wohlgefälliges Tempo etwa von der angegebenen 
Geschwindigkeit selbst zu wählen. Ueber Ithythmisirung der Be¬ 
wegungen machte ich zuerst keine Vorschrift. 
Es ist interessant, dass die Versuchspersonen sofort die Schläge 
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rhythmisirten, und zwar in dem Takte i . Erst nachdem sich 
12 3 
die Trommel in volle Bewegung gesetzt und der Taktirende den Rhyth¬ 
mus etwa 10 mal wiederholt hatte, schloss ich den Registrirstrom. 
Es wurden möglichst 20 Wiederholungen der ganzen Taktfolge 
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(1—^ =12 3 oder 1—2 = 12 3) aufgenommen und bis auf halbe 
Millimeter ausgemessen, das arithmetische Mittel aus den 20 Wieder¬ 
holungen möge die mittlere Taktirzeit für jeden der beiden Takte 
1) Der Taster stand im Dunkelzimmer. Der Stromsehluss erfolgte so lange, 
■wie die Hand unten liegen blieb. Auf der Kymographiontrommel des mit dem 
Zeitsinnapparat verbundenen Kymographions wurden in der früher beschriebenen 
Weise mit einem elektromagnetischen Schreibapparat die Contaetzeiten aufge¬ 
nommen. Die Messung kann bis auf V200 Secunde als fehlerfrei angesehen 
werden.
        

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