Bauhaus-Universität Weimar

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Armand Thiéry. 
von einer Vermehrung der Convergenz begleitet ist; weiterhin, dass 
diese Convergenz den Bedingungen des Sehens entspricht. In der 
That sind, wenn der Blick sich senkt, die von uns erblickten Gegen¬ 
stände näher und verlangen eine größere Convergenz. Demnach 
ist durch eine tief eingewurzelte Association die Annäherung des 
Gegenstandes mit einer größeren Convergenz verbunden. Die untere 
Hälfte einer senkrechten Linie liegt aber im unteren Theile des 
Gesichtsfeldes; sie wird also mit einer stärkeren Convergenz ge¬ 
sehen und erscheint daher näher und deshalb auch kleiner. Um 
nun diesen Einfluss der Convergenz auf die vorliegende Täuschung 
zu beweisen, wollen wir durch Thatsachen darthun, dass eine solche 
Association zwischen Convergenz und scheinbarer Größe der Gegen¬ 
stände wirklich besteht. 
Association zwischen Convergenz und scheinbarer 
Größe. Die stärkere Convergenz beeinflusst direct unsere Schätzung 
der Dimensionen, weil sie mit einer kleineren Entfernung des 
Gegenstandes verbunden ist. Im Laufe der im Leipziger Labora¬ 
torium von Herrn Arrer über die Convergenz der Blicklinien vor¬ 
genommenen Versuche konnten wir diese Wirkung bei einer Ent¬ 
fernung von 4 m auf einer weißen Schirmwand beobachten, auf 
welcher schwarze senkrechte Linien so gezeichnet waren, dass sie 
durch ihre Gesammtheit ein Rechteck darstellten. Heftete nun der 
Beobachter durch eine Ocularröhre seine Blicke auf einen circa 
2 m entfernten Faden, so wurde das Rechteck ziemlich deutlich weiter 
gesehen, seine Dimensionen aber schienen stark reducirt zu sein. 
Eine ähnliche bei diesen Versuchen beobachtete Täuschung war 
die folgende. Zwei Lothschnüre machten gleiche Schwingungen, 
die entgegengesetzte Amplituden hatten, aber sich gleichzeitig in 
einem mittleren Punkte kreuzten. Wenn nun die Augen auf diese 
zwei beweglichen Lothschnüre cönvergirten, so schien es, als wenn 
eine entfernter befindliche, vollständig unbewegliche, dritte Schnur 
sich so bewegte, dass sie im Moment der Kreuzung der beweglichen 
Schnüre näher, im Moment ihrer Divergenz ferner zu sein schien. 
Zugleich beobachteten wir, dass die Augen den Lothschnüren bei 
ihrer Bewegung folgten, was dann ein Maximum der Convergenz, 
wenn sie sich deckten, ein Minimum der Convergenz für die Lage 
ihrer größten Divergenz zur Folge hatte.
        

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