Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Entwicklung von Kant‘s Naturcausalität, Schluss
Person:
Radulescu-Motru, Constantin
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4241/67/
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Constantin Radulescn-Motru. 
als ein Object ansehe, welches nach einer Regel im Zusammenhänge 
der Wahrnehmungen jederzeit gefunden werden kann. Diese Regel 
aber, etwas der Zeitfolge nach zu bestimmen, ist: dass in dem, was 
vorhergeht, die Bedingung anzutreffen sei, unter welcher die Be¬ 
gebenheit jederzeit (d. i. nothwendiger Weise) folgt. Also ist der 
Satz vom zureichenden Grunde der Grund möglicher Erfahrung, 
nämlich der objectiven Erkenntniss der Erscheinungen, in An¬ 
sehung des Verhältnisses derselben, in Reihenfolge der Zeit«1). Und 
noch deutlicher spricht die folgende Stelle, mit der Kant’s specielle 
A 
Ausführungen über Causalität in der Kritik schließen: » So ist dem¬ 
nach, ebenso wie die Zeit die sinnliche Bedingung a priori von der 
Möglichkeit eines continuirlichen Fortganges des Existirenden zu 
dem Folgenden enthält, der Verstand, vermittelst der Einheit der 
Apperception, die Bedingung a priori der Möglichkeit einer conti¬ 
nuirlichen Bestimmung aller Stellen für die Erscheinungen in dieser 
Zeit, durch die Reihe von Ursachen und Wirkungen, deren die 
ersteren der letzteren ihr Dasein unausbleiblich nach sich ziehen 
und dadurch die empirische Erkenntniss der Zeitverhältnisse für 
jede Zeit (allgemein), mithin objectiv gültig machen«2). 
Es ist also das Causalverhältniss ein dem Verstände a priori 
innewohnendes Postulat, dem stets Genüge werden muss, damit 
wir für unsere Erkenntniss eine objective Gültigkeit zu beanspruchen 
vermögen. Dadurch, dass sie sich als diese »Reihe von Ursachen 
und Wirkungen« gestaltet, wird die empirische Erkenntniss eine 
objectiv gültige, d. h. für alle Zeiten, für das Bewusstsein über¬ 
haupt gültige. Lassen wir nun aber das a priori des Verstandes 
bei Seite, so sehen wir, wie das Ergebniss kein anderes ist, als 
eins, zu dem auch ein streng mechanistischer Determinist hätte ge¬ 
langen können. Die einzige Behauptung Kant’s, der ein den 
Galilei-Newton’schen Principien treu gebliebener Naturforscher 
nicht zustimmen, oder in die er keinen rechten Sinn legen konnte, 
ist die von der Apriorität. Ist diese Differenz aber so wesentlich ? 
Welches ist die Lücke in der Galilei-Newton’schen reinen 
Wissenschaft, die Kant mit dieser seiner Ergänzung füllt? Bisher 
1} Kr. d. r. V. S. 216. 
2) Kr. d. r. V. S. 223.
        

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