Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Entwicklung von Kant‘s Naturcausalität, Schluss
Person:
Radulescu-Motru, Constantin
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4241/66/
Zar Entwickelung yon Kant’s Theorie der Naturcausalität. 593 
Natur verbreitetes physisches Gesetz der wechselseitigen Attraction, 
deren Regel ist, dass sie umgekehrt mit dem Quadrat der Ent¬ 
fernungen von jedem anziehenden Punkt ebenso abnehmen, wie die 
Kugelflächen, in die sich diese Kraft verbreitet, zunehmen, welches 
als nothwendig in der Natur der Dinge selbst zu liegen scheint, 
und daher auch als a priori erkennbar vorgetragen zu werden 
pflegt. So einfach nun auch die Quellen dieses Gesetzes sind, in¬ 
dem sie bloß auf dem Verhältnisse der Kugelflächen von verschie¬ 
denen Halbmessern beruhen..... Nun frage ich : liegen diese 
Naturgesetze im Raume, und lernt sie der Verstand, indem er den 
reichhaltigen Sinn, der in jenem liegt, bloß zu erforschen sucht, 
oder liegen sie im Verstände und in der Art, wie dieser den Raum 
nach den Bedingungen der synthetischen Einheit, darauf seine Be¬ 
griffe insgesammt auslaufen, bestimmt?«1) 
Sie liegen freilich im Verstände und in seiner Art den Raum 
zu bestimmen! Diese Art der Bestimmung ist aber, historisch ge¬ 
nommen, keineswegs eine andere als die, die wir bereits im Beginne 
kennen lernten und die unser Citât deutlich genug hervortreten 
lässt: die Functionenlehre. Und dieser, Kant und der Naturwissen¬ 
schaft seit Galilei gemeinsame Ausgangspunkt musste nun auch da¬ 
zu führen, dass beide zu einer übereinstimmenden Lösung des 
Causalitäts-Problems bestimmt wurden. Ebenso wie den Mathema¬ 
tikern seiner Zeit die Natur als in einer analytischen Formel dar¬ 
stellbar galt, so galt sie auch Kant dafür. Derselbe mechanistische 
Determinismus findet sich bei diesem wie bei jenen, nur dass Kant 
eine ungleich complicirtere Sprache gebraucht, wenn er sich darüber 
auslässt. Er nennt mögliche Erfahrung, was jene wissenschaftliche 
oder hypothetische, objectiv-gültige nennen würden; die Zeitbe¬ 
stimmung haben sie Beide mit einander gemein, nur dass Kant 
sie auf einem längeren Umwege entdeckte, die logische Beziehung 
endlich galt wiederum dem Einen wie den Anderen als Ziel der 
Naturgesetze. Und nun hören wir Kant’s Kritik der reinen Ver¬ 
nunft: »Dass also etwas geschieht, ist eine Wahrnehmung, die zu 
einer möglichen Erfahrung gehört, die dadurch wirklich wird, wenn 
ich die Erscheinung ihrer Stelle nach in der Zeit als bestimmt, mithin 
1) Prolegomena, S. 77. 
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