Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Parallaxe des indirecten Sehens und die spalförmigen Pupillen der Katze
Person:
Kirschmann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4239/6/
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August Kirschmann. 
punkte ist nur in dem einzigen Falle ein Punkt, wenn der Rich¬ 
tungsstrahl durch den Mittelpunkt der Pupille geht; in allen an¬ 
deren Fällen ist er eine Linie, und zwar eine Strecke eines 
N etzhautmeridians. 
Was geschieht nun in dem in unserer Figur dargestellten Falle, 
wenn unter Constanz aller übrigen Umstände die Accommodation 
geändert wird? Wird das Auge beispielsweise auf die Accommo- 
dationssphäre C eingestellt, so fällt der Bildpunkt von c in den 
Punkt a, und die Zerstreuungskreise von a und b kommen beide 
links von a zu liegen. Bei der Verlegung der Accommodations- 
fläche in die Entfernung B dagegen wird ein scharfes Netzhautbild 
von i in « entworfen, während die den Punkten a und c ent¬ 
sprechenden Zerstreuungskreise beide rechts von a liegen. Man 
sieht somit : Wenn bei unveränderter Lage und Fixation das Auge 
seinen Accommodationszustand ändert, so tritt eine Verschiebung 
der Bilder bez. Zerstreuungskreise aller indirect gesehenen Punkte 
ein, und zwar entfernen sich dieselben vom Netzhautcentrum beim 
Fernsehen und nähern sich demselben bei der Accommodation für die 
Nähe. Da die Richtung, in welcher wir die Dinge sehen, von der 
Lage der Bilder auf der Netzhaut abhängig ist, so muss der bei der 
Accommodationsänderung stattfindenden Verschiebung der Bilder 
und Zerstreuungskreise eine scheinbare Ortsveränderung der ge¬ 
sehenen Punkte entsprechen. Diese letztere kann man bei aufmerk¬ 
samer Beobachtung auch ganz deutlich wahrnehmen. Hier nur 
ein Beispiel : Die den Rand eines in der Mitte des Sehfeldes ge¬ 
legenen Gegenstandes bildenden Objectpunkte entwerfen ihre Bild¬ 
punkte resp. Zerstreuungskreise auf mehr oder minder excentrische 
Netzhautstellen. Verlegt nun das Auge den Blickpunkt in größere 
Ferne, so müssen nach den obigen Darlegungen die Projectionen 
jener Objectpunkte weiter aus einander liegen, d. h. der (im übrigen 
undeutlich gesehene) Gegenstand wird größer erscheinen. Umge¬ 
kehrt müssen bei der Verlegung der Accommodationssphäre in 
größere Nähe die Netzhautbilder der Randpunkte sich dem Netz- 
hautcentrum nähern ; sie treten enger zusammen und der Gegen¬ 
stand muss kleiner erscheinen. Dies findet sich in der Erfahrung 
thatsächlich auch bestätigt; denn es ist bekannt, dass bei der 
Accommodation für die Ferne die in der Nähe befindlichen, un-
        

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