Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Untersuchungen über die Helligkeit der Farben
Person:
Gruber, Eduard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4238/16/
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Eduard Gruber. 
processen entsprechen, neben der Farbenempfindung eine Dunkel¬ 
empfindung auslösen. Dennoch ist ein Beweis für die Annahme 
einer specifischen Helligkeit der Farben auch hierin nicht zu 
finden, da die Zunahme der Helligkeit einer Farbe hei wachsender 
Lichtstärke stets von dem relativen Wachsthum der Farhenerregung 
im Vergleich mit der farblosen Erregung abhängig sein wird. Die 
Erscheinung kann also ebenso gut davon herrühren, dass bei Grün 
und Blau dieses relative Wachsthum mit zunehmender Lichtstärke 
langsamer erfolgt als bei Roth und Grün. 
Es ist mehrfach, und besonders von Hering und Ebbinghaus, 
hervorgehoben worden, dass das Verschwinden der Farbe bei 
schwacher Beleuchtung dem Sehen des Farbenblinden entsprechend 
erfolge. Da nämlich dem Farbenblinden bei denjenigen Farben, für 
welche ihm die Empfindung fehlt, nur die Erregung der schwarz¬ 
weißen Substanz übrig bleibt, so muss die Helligkeit der Farben 
im Vergleich zu Grau derjenigen Helligkeit entsprechen, welche 
der normal Sehende bei schwacher Beleuchtung hat, wenn auch für 
ihn keine Erregung der farbenempfindenden Substanz *) mehr merk¬ 
bar wird. Es müsste demnach z. B. einem Rothgrünblinden Grün 
heller, Roth dunkler erscheinen, als dem Farbentüchtigen. 
Es war uns nun möglich, in Herrn stud. phil. Buck einen 
Fall von typischer Rothgrünblindheit aufzufinden. Im Spectrum 
sah er, wie ich unter der gütigen Mitwirkung des Herrn Mentz 
feststellte, nur 2 Farben, die er als Gelb und Blau bezeichnete. 
Das Spectrum war am rothen Ende stark verkürzt, bis fast in die 
Gegend der Z)-Linie. Die beiden Farben stießen in der Gegend 
der L'-Linie zusammen und bildeten hier einen Bezirk, in welchem 
die Empfindung zwischen beiden schwankte. Auf der violetten Seite 
war das Spectrum nicht verkürzt. 
Die Grundversuche für Grün ergaben einen Mittelwerth von 
44° Weiß (s. Tabelle VII), also einen um etwa 6° dunkleren Mittel¬ 
werth als den für die farbentüchtigen Beobachter erhaltenen. 
Die Controlversuche mit wechselnder Helligkeit und Sättigung, 
1) Wenn wir von schwarz-weißer Substanz oder farbenempfindender Sub¬ 
stanz sprechen, so geschieht dies nur des bequemen Ausdrucks wegen, ohne dass 
wir damit etwas über die physische Grundlage der betreffenden Empfindungen 
aussagen wollen.
        

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