Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Grundlagen der Mathematik, Fortsetzung
Person:
Lipps, Gottlieb Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4234/19/
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Gotti. Friedr. Lipps. 
Verbildlichung des Bewusstseins sich stützt und die Eigenschaften 
des Bildes auf das Bewusstsein überträgt. Es wird daher nicht bloß 
das wirkliche Bewusstsein nie ohne Inhalt sich zeigen, sondern es 
wird auch der Begriff des Bewusstseins durch seine Merkmale auf 
die Möglichkeit, dass Inhalte vorhanden sind, hinweisen. Bei der 
Erörterung dieses Begriffs wird somit der als wirkliches Erlebnis^ 
beobachtete und durch die Erinnerung festgehaltene Zustand des 
Bewusstseins samint seinen Inhalten die empirische Grundlage bil¬ 
den ; die Merkmale des Begriffs werden aber nicht in den thal- 
sächlich vorhandenen, direct wahrnehmbaren Eigenthümlichkeiten 
dieses Zustandes bestehen, sondern in den Eigenschaften, welche 
die Reflexion durch Beachten der Möglichkeit, dass Inhalte vor¬ 
handen sind und auf diese oder jene Art zusammengefasst werden, 
findet. Der Begriff des Bewusstseins ist daher nicht empirischer 
Natur, sondern hat den Charakter der Noth Wendigkeit und Allge¬ 
meinheit. Das Bewusstsein ist ja — wie schon oben bemerkt wurde - 
die uotliwendige Bedingung dafür, dass das Gegebene Gegenstand 
des Denkens werden könne, und diese Bedingung ist eine allge¬ 
meingültige; denn es gehört zum Wesen eines jeden denkenden 
Ichs, des Gegebenen bewusst zu werden, indem es für uns niclil 
denkbar ist, dass man anders als im Zustande des Bewusstseins das 
Gegebene auffassen und bearbeiten könne. 
Es zeigt sich nun das Bewusstsein als Träger seiner Inhalte 
ohne jede Lücke und Unterbrechung. Ein Mensch kann allerdings 
eine Unterbrechung seines Bewusstseins erleiden, indem er zeitweilig 
bewusstlos wird. Der lleflexion bietet sich aber das Bewusstsein 
als ein continuirlicher Zustand dar, denn die Annahme einer Lücke 
desselben würde die Sinnlosigkeit eines bewusstlosen Bewusstseins 
bedeuten. — Es zeigt sich ferner das Bewusstsein ohne ^Grenzen 
Denn obgleich das Bewusstsein nicht weiter reicht als seine Inhalte 
und obgleich das thatsächliche Vorhandensein unendlich vieler In¬ 
halte nicht behauptet werden kann, erscheint doch der Reflexion, 
die nach den Grenzen des Bewusstseins forscht, das Bewusstsein 
als unbegrenzt oder unendlich, weil bei der Annahme irgend einer 
Grenze oder irgend eines Aufhörens die Möglichkeit einer Fort¬ 
setzung vorhanden wäre. — Das Bewusstsein ist auch ganz einzig 
in seiner Art; denn die Reflexion bezieht alle Erlebnisse auf einen
        

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