Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Grundlagen der Mathematik, Fortsetzung
Person:
Lipps, Gottlieb Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4234/11/
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Gotti. Friedr. Upps. 
stellen. Demgemäß findet sich das Gegebene im Bewusstsein des 
denkenden Menschen nie völlig losgelöst vom Denken vor, so dass 
es nur vermittelst der Abstraction von den Wirkungen des Denkens 
festgestellt werden kann. Da nun im Unterscheiden und Abgrenzen 
ohne Zweifel das Denken sich bethätigt, so muss auch von allen 
Unterscheidungen und Abgrenzungen abgesehen werden. Das Ge¬ 
gebene besteht daher aus einem ungeschiedenen Complexe von Er¬ 
lebnissen, in welchem sich der Gesammtinhalt des Bewusstseins 
darstellt. Erst die Reflexion scheidet das Gegebene in seine ein¬ 
zelnen Bestandtheile. 
Es ergibt sich somit das Resultat: Man findet das Ge¬ 
gebene, wenn man die Objecte des Denkens aller durch 
die Denkthätigkeit erzeugten Beziehungen und Beurthei- 
lungen entkleidet; man kann daher das Gegebene als 
reflexionslos erlebte Thatsachen oder Inhalte des Be¬ 
wusstseins bezeichnen, die erst durch das Denken unter¬ 
schieden und von einander abgegrenzt werden; das Ge¬ 
gebene bildet somit einen ungeschiedenen Complex oder 
Gesammtinhalt des Bewusstseins, mit dessen Bearbeitung 
jede zu den Anfängen des Erkennens thatsächlich zuriick- 
gehende Untersuchung beginnen muss. 
§ 3. 
Vielleicht erscheint es kaum der Mühe werth, ein solch ein¬ 
faches Ergebniss mit so viel Umständlichkeit festzustellen. Wird 
ja doch nun keineswegs gefordert, dass jede philosophische Unter¬ 
suchung nothwendig mit dieser Feststellung des Gegebenenen be¬ 
ginnen müsse und nicht vielmehr die Auflösung des Bewusstseins¬ 
ganzen einfach hinnehmen könne. Dies letztere kann ohne Schaden 
dann geschehen, wenn durch den Charakter der beabsichtigten 
Untersuchung keine Beachtung jenes Auflösungsprocesses und der 
dabei zu Tage tretenden Besonderheiten bedingt ist. Im vorliegen¬ 
den Falle ist es aber vortheilhaft, von dem Gegebenen thatsächlich 
auszugehen, da es so möglich wird, ohne Mühe die der Mathematik 
zu Grunde liegenden Thatsachen anzugeben und dadurch den ge¬ 
eigneten Ausgangspunkt für die Untersuchung der mathematischen 
Begriffe zu gewinnen.
        

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