Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Entwicklung von Kant‘s Theorie der Naturcausalität
Person:
Radulescu-Motru, Constantin
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4233/3/
Zur Entwickelung von Kant's Theorie der Naturcausalität. 
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Das erste Mal spielt sie ihre Vermittlerrolle in der Person 
Kant s. Die exacten Wissenschaften vor ihm standen, von Galilei 
und Newton begründet, in directer Abhängigkeit von den mathe¬ 
matischen Disciplinen und waren so von selbst geneigt, dem logi¬ 
schen Elemente — dem auf der Basis des Satzes vom Grunde 
errichteten mathematischen Functionsbegriff — eine übergroße Be¬ 
deutung beizulegen, auf Kosten aller Erfahrungsrechte. Aus diesen 
Umständen folgerten die Philosophen des 17. Jahrhunderts die Be¬ 
rechtigung ihrer rationalistischen Lösungen. Die biologischen 
Wissenschaften anderseits (insbesondere auch die Gehirnphysiologie), 
die von der empirischen Beobachtung ausgegangen, waren im Gegen- 
theil eher geneigt, das Causalproblem unter dem Gesichtspunkte 
der Ideenassociation zu lösen, und ihnen entlieh nun Hume die 
Argumente für seinen Skepticismus. Zwischen diesen Gegensätzen, 
zwischen Rationalisten und Empiristen also, vermittelt die Kant’sehe 
Philosophie durch ihre Auffassung der Causalität als eines reinen 
Verstandeshegriffes a priori. 
Das zweite Mal finden wir die Philosophie im gleichen Sinne 
in unseren Tagen thätig. Die mechanische Causalität, das Postulat 
der auf die Principien Galilei’s und Newton’s begründeten er¬ 
klärenden Naturwissenschaft, erfährt aber heute nicht weiter die 
Kritik der Gehirnphysiologie, wie in Hume’s Tagen, sondern die 
einer ganzen Eeihe damals noch kaum in ihren Anfängen stehen¬ 
den Disciplinen, wie der exacten Psychologie, Ethik, Geschichts¬ 
wissenschaft, vergleichenden Sprachwissenschaft u. s. w., kurz der 
positiven Geistes Wissenschaften. Und dies, weil die Objecte dieser 
Gebiete qualitativ viel zu differenzirt sind, um ihre Erklärung in rein 
quantitativen Beziehungen finden zu können, weil also hier neben 
der mechanischen eine psychische Causalität gefordert wird. 
Der Philosoph, der unseres Erachtens diese Forderung am 
besten begriffen hat, ist Wilhelm Wundt. 
Bei dem Versuche, dieses zweimalige und gleichartige Eingreifen 
der Philosophie vergleichend darzustellen, ergab sich, dass eine 
einzige, selbst ausgedehnte Studie den Gegenstand nicht zu be¬ 
wältigen vermöge, dass vielmehr beide zeitliche Momente vorerst 
unabhängig von einander zu behandeln seien, und so entstand der 
Entschluss, in der vorliegenden Arbeit das erste, in einer so bald als 
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