Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Entwicklung von Kant‘s Theorie der Naturcausalität
Person:
Radulescu-Motru, Constantin
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4233/10/
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Constantia Radulescu-Motru. 
Unterschiede, die mathematischen Bezüge, in den Vordergrund 
rückte und bewies, d. h. einer Theorie, die in Anbetracht der 
elementaren Qualitäten die Gleichartigkeit aller Theile der Natur 
lehrte. Seit dem Alterthum bereits lag eine solche in allgemeinen 
Umrissen in der Philosophie Demokrit’s vorgezeichnet. Aus 
diesem Grunde bemerken wir in dieser Epoche eine so stark aus¬ 
gesprochene Rückkehr zum Atomismus. Verstehen wir diese Rück¬ 
kehr zum Atomismus nicht irrthümlieh: sie ist nicht die zu einem 
Atomismus, wrie ihn ihr Begründer seihst verstand. Demokrit 
stellte die Atome als Substanzen dar, deren Combination die Welt 
hervorbringe, — die neuere Atomistik bediente sich der Demokriti¬ 
schen Lehre im Sinne einer Hypothese, die sich der mathematischen 
Function anpassen ließ. Dieser Unterschied darf nie aus den Augen 
gelassen werden. Die Atome büßen nach dem Princip der moder¬ 
nen Richtung alle und jede Bedeutung ein, was sie an und für sich 
betrifft — sie bieten nur eine gewaltige Handhabe, um zur Auf¬ 
stellung von Naturgesetzen zu gelangen. Demokrit wusste, gleich 
allen übrigen griechischen Philosophen, nichts von solchen Gesetzen i), 
und seine ganze Wissenschaft war auf die Atome selbst beschränkt. 
Für die moderne Experimentalwissenschaft ist der Atomismus eine 
Hypothese, die fast identisch ist mit der Theorie des Unendlichkiemen 
in der neuen Mathematik, so weit identisch selbst, dass der Begriff des 
Atoms und der Begriff des mathematischen Unendlichen für die ab- 
stracten Gesetze coincidiren. Diesem Umstande allein verdankt die 
Geometrie Cavalieri’s, die analytische Geometrie Descartes’, die 
Differentialrechnung Leibnizens (oder die Fluxionsrechnung New¬ 
tons) ihre unmittelbare Anwendbarkeit auf die Erscheinungen der 
realen Welt. Der Fortschritt in der Entwickelung des modernen 
Atomismus hat sich sodann stetig im Sinne der Reinigung des 
Atombegriffes von allen und jeden intuitiven Vorstellungen vollzogen. 
Eine andere Theorie, die nächst der von der Gleichartigkeit 
der Natur ihren Ursprung aus dem Uebergewicht der Mathematik 
herleitet, ist die von der Kraft. Wenn die ganze Natur wie ein 
weiter Schauplatz betrachtet wird, auf dem sich die Erscheinungen 
1) Vergl. K. Lasswitz, Geschichte der Atomistik vom Mittelalter bis 
Newton. Leipzig 1890. IL S. 4ff.
        

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