Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur experimentellen Aesthetik einfacher räumlicher Formverhältnisse, Schluss
Person:
Witmer, Lightner
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4230/49/
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Lightner Witnier. 
gäbe hin, die auch bei einem derselben bei andern Untersuchungen, 
an denen er sich betheiligte, zu Tage trat ; über die Güte oder 
Schlechtigkeit ihres Geschmackes ist damit jedoch nichts bewiesen. 
Höchstens könnte man vielleicht sagen, dass Jemand, der nicht im 
Stande ist, kleine Gefühlsdifferenzen genau zu beobachten, auch 
bei der Werthschätzung complicirterer Gebilde kein besonders em¬ 
pfindliches Gefühl zeigen wird. 
Betrachten wir den Durchschnittswert!! der bevorzugten Pro¬ 
portionalität als ein ästhetisches Normalverhältniss, so misst die 
Größe der MA die Anormalität des ästhetischen Gefühls (ohne dass 
dabei von einer Werthschätzung des Geschmackes die Bede sein 
sollte) ; die Größe der M V dagegen misst die Beobachtungsfähigkeit 
des Individuums. 
Zum Schluss noch ein paar Worte über den Einfluss der 
Uebung. Die Uebung verstärkt das ästhetische Gefühl oder ver¬ 
feinert jedenfalls die Fähigkeit, geringe Gefühlsniiancen zu beob¬ 
achten ; sie trägt außerdem dazu bei, das Auftreten associativer 
Mitbestimmungen zu vermeiden. Sie hat also eine größere Sicher¬ 
heit und Beinheit des Urtheils zur Folge, und die MV nimmt mit 
der Uebung ab. Auf die Größe der MA dagegen hat die Uebung 
keinen merkbaren Einfluss; die persönliche Abweichung des ästhe¬ 
tischen Urtheils blieb während der ganzen Untersuchung ziemlich 
constant, allein mit abnehmender Größe der M V lässt sie sich mit 
der Zeit deutlicher erkennen. 
Einige Bemerkungen znr Erklärung der ästhetischen 
Proportionalität. 
Wollen wir den Versuch machen, die Schönheit der gefundenen 
Proportionalität auf ihre Ursachen zurückzuführen, so müssen wir 
in erster Linie unterscheiden zwischen einer unmittelbaren des be¬ 
vorzugten Verhältnisses und dem Einfluss der Associationen, die 
sich an jenes knüpfen. Die Annahme einer associativen Bedingtheit 
der Proportionalität scheint näher zu liegen, bedenkt man, wie 
schwer es ist, associative Mitbestimmungen bei der Auswahl zu 
vermeiden. Jedoch die Art der Anordnung der Figuren, sowie der 
Verwerthung der Besultate schließt diese Erklärungsweise aus;
        

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